15.06.2017 / Allgemein / /

Energiestrategie 2050 Abstimmung: «Gegner haben mit Lügen operiert»

 

ROGGWIL ⋅ Podium zur Energiestrategie 2050: Die Befürworter nehmen Stellung zum Abstimmungsresultat. Josef Gemperle (CVP) sagt, er habe auch als alter Polithase so schlecht geschlafen wie lange nicht.
15. Juni 2017, 05:17

Christof Lampart

arbon@thurgauerzeitung.ch

Er habe vor der Abstimmung zur Energiestrategie so schlecht wie selten geschlafen, sagte CVP-Kantonsrat Josy Gemperle an einem Podium im st. gallischen Berg. «Die Gegner haben einfach wahnsinnig oft gelogen.»

Seit ein paar Wochen ist die Abstimmung nun Geschichte, «der Mist geführt» und die Energiestrategie 2050 beschlossene Sache. Die Stimmbürger haben sogar deutlich entschieden. Und doch bewerten die Befürworter alternativer Technologien im Rahmen der Generalversammlung der Energiegenossenschaft Roggwil (En-Ge-Ro) vom Dienstagabend das Abstimmungsresultat unterschiedlich.

«Hätten klareres Ergebnis erwarten dürfen»

Während CVP-Energiepolitiker Josef Gemperle (Fischingen) froh ist, dass das Ja schliesslich doch noch klar zustande gekommen ist, regt sich En-Ge-Ro-Präsident Bernhard Wälti über das nur knappe Ja im ganzen Kanton und über das knappe Nein in Roggwil auf. «Der Thurgau gehörte jahrelang zu den führenden Kantonen in Sachen Energiewende. Da hätte man schon ein klareres Ergebnis erwarten dürfen.»

Für Gemperle ist klar, dass eine gewisse Ungewissheit herrschte. «Die Gegner haben geschickt mit Lügen operiert. Sie haben bei den zu erwartenden jährlichen Mehrkosten ihre falsch berechneten 3200 Franken unseren 40 Franken gegenübergestellt. Viele Bürger meinten dann, dass es auf einen mittleren Beitrag hinauslaufen würde – was einfach nicht stimmte.» Er habe deshalb in den Tagen vor der Abstimmung auch als alter Polithase «sehr schlecht geschlafen» und daraus die Konsequenz gezogen, «dass ich solche Abstimmungen nicht mehr so nahe an mich heranlassen werde».

Das Argument gegen den Erfolg der Energiestrategie 2050, das Andrea De Paoli, Abteilungsleiter des kantonalen Kompetenzzentrums für Energie, am meisten zu hören bekommt, ist jenes der Unerreichbarkeit der Ziele. Viele würden ihm erklären, dass man die Energie aus Atomkraft nicht einfach so ersetzen könne, sagte er. Und dass er ein Träumer sei, wenn er an eine Zukunft glaube, die zeitnah ohne fossile Energie auskäme. «Das Problem ist, dass niemand in die Zukunft schauen kann. Doch technologisch ist vieles möglich.» Vor 25 Jahren hätte ein Handy noch Koffergrösse ­gehabt und Kapazität für eine Gesprächs­dauer von maximal drei Minuten. Heute hätten wir Smartphones, die den Computer ersetzen. «Warum soll bei der Energiewende eine solche Entwicklung nicht möglich sein?»

Gemeindepräsident Kurt Enderli schaffte es mit einem Trick, dass 90 Prozent der Einwohner von Wilen bei Wil nur noch Naturstrom aus dem Thurgau beziehen. «Früher fragten wir wie alle anderen Gemeinden die Leute an, ob sie nicht lieber Naturstrom beziehen möchten. Doch die Nachfrage war sehr gering. Dann haben wir den Spiess umgekehrt und allen geschrieben, dass sie ab sofort nur noch Naturstrom erhalten würden – es sei denn, sie meldeten bei uns, dass sie keinen beziehen wollten.»

Kosten fallen nicht ins Gewicht

Die Mehrkosten von zwei Rappen pro Kilowattstunde und die Energiekosten im Allgemeinen seien so gering, dass man es eigentlich gar nicht im Portemonnaie merken würde. «Das ist doch ähnlich wie bei einem Handy: Da kauft man sich doch einfach ein neues, wenn man eines braucht und fragt nicht nach, was es genau kostet», sagt Enderli.

 

 

 

 

http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/thurgau/arbon/gegner-haben-mit-luegen-operiert;art120104,5010381