05.07.2017 / Allgemein / /

Konsequent gegen CO2-Ausstoss einsetzen

ENERGIEWENDE ⋅ Klimaforscher Thomas Stocker erhellt die Hintergründe für den globalen Klimawandel und fordert eine konsequente Abkehr von den fossilen Brenn- und Treibstoffen. Eine wichtige Rolle spiele auch die Geothermie.

ENERGIEWENDE ⋅ Klimaforscher Thomas Stocker erhellt die Hintergründe für den globalen Klimawandel und fordert eine konsequente Abkehr von den fossilen Brenn- und Treibstoffen. Eine wichtige Rolle spiele auch die Geothermie.
05. Juli 2017, 05:18

Nichts weniger als eine «vierte industrielle Revolution» sei nötig, um den Klimawandel ein­zudämmen, sagte Thomas Stocker. Der weltweit renommierte Klimaforscher trat als Gast des Vereins Geothermie Thurgau (VGTG) vor knapp 250 Zuhörern im Casino Frauenfeld auf. Die Erwärmung des Klimasystems sei genauso eindeutig wie der Einfluss der Menschen darauf, stellte der 58-jährige Klimaprofessor seinem Referat voran. Er führt seit 20 Jahren die Abteilung Klima- und Umweltphysik an der Universität Bern und war bis vor kurzem Co-Leiter der wichtigsten Arbeitsgruppe des UNO-Klimarates – des IPCC. Für ihn als Wissenschafter sei die Klimaerwärmung keine «Glaubensfrage», sondern ein «Fakt».

Geothermie mit Erneuer­baren kombinieren

Stocker legte klar, welches das Ziel einer «vierten industriellen Revolution» sein müsste: die «globale Dekarbonisierung». Sie betreffe die konsequente Vermeidung des Treibhausgases CO2 und bedeute, die fossilen Treib- und Brennstoffe – also Kohle, Öl und Gas – weitgehend abzulösen. Nur wenn dies gelänge, liesse sich das globale Klimaziel von maximal zwei Grad Celsius zusätzlicher Erwärmung bis ins Jahr 2100 erreichen. Den wichtigsten Beitrag an die Substitution müssten die erneuerbaren Energien leisten, so Stocker, also die Wasserkraft, die Windkraft und die Sonne als Strom- und Wärmelieferantin. Eine besonders hilfreiche Rolle weist Stocker der Geothermie zu und regt an, diese vorrangig mit Fotovoltaik und Solarthermik «smart» zu kombinieren. Die Dekarbonisierung führe zu «intelligenteren neuen Produkten, neuen Arbeitsplätzen, einer besseren Lebensqualität und insgesamt zu einem gesellschaftlichen Wertewandel».

Das Ja des Stimmbürgers zur Energiewende bedeute auch Rückenwind für die Geothermie, führte Regierungsrat Walter Schönholzer vor den Mitgliedern des VGTG aus. Der Thurgau als einer der ersten Kantone mit einem Gesetz zur Nutzung des Untergrundes habe auch in dieser Energiefrage seine Nase vorn. Neben der untiefen Geothermie – im Thurgau nutzen rund 3800 Wärmepumpen via Erdsonde die Erdwärme – vertrete die Regierung auch bei der tiefen Geothermie zur Strom- und Wärmeerzeugung eine klare Haltung, sagte Schönholzer und nannte als Beispiele die Projekte in Schlattingen sowie Etzwilen.

Konsequent gegen CO2-Ausstoss einsetzen

An der gut besuchten Jahresversammlung des VGTG unter seinem Präsidenten Josef Gemperle stimmten die Mitglieder den statutarischen Geschäften diskussionslos zu. Gemperle betonte in seinem Jahresrückblick die Notwendigkeit, die Energiegewinnung aus dem Untergrund zwar mit Augenmass, aber nichtsdestotrotz zielstrebig voranzubringen. Der Nutzung fossiler, klimaschädlicher Ressourcen sei konsequent Einhalt zu gebieten. In dieselbe Kerbe hieb Urs Müller, als Stadtrat zuständig für die «Energiestadt Frauenfeld». Sie ist im Thurgau bislang die einzige Trägerin des European Gold Award. Darum äusserte Müller die Hoffnung, dass dem Frauenfelder Beispiel weitere Thurgauer Energiestädte folgen mögen.

Der Stand der Geothermie im benachbarten Europa und in der Schweiz nach der vom Volk beschlossenen Energiewende stand im Zentrum einer Fachtagung mit mehr als 80 internationalen und nationalen Experten. Gunter Siddiqui, Leiter Geothermie beim Bundesamt für Energie, zeigte die positiven Wirkungen des Volksentscheids für die Geothermie auf. Peter Meier, CEO der Geo-Energie Suisse AG, äusserte sich zuversichtlich nach den nun in Aussicht stehenden Fördermitteln und Risikogarantien des Bundes. Das gebe den Investoren mehr Sicherheit. Geo-Energie-Suisse hat ein 100-Millionen-Projekt im jurassischen Haute Sorne zur Bewilligungsreife vorangetrieben und zeichnet neben weiteren auch verantwortlich für das Vorhaben in Etzwilen.

 

 

 

 

http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/thurgau/kanton/vierte-industrielle-revolution;art123841,5027553