18.04.2018 / Allgemein / /

Fraktionsvotum zur Motion im Grossen Rat „Abstandsvorschriften für Windkraftanlagen gegenüber Bauten und Anlagen“

Kaum ein Thema wird heute so heiss diskutiert wie Windenergieanlagen in der Schweiz. Dabei kursieren die wildesten Gerüchte! Das müsste nicht sein. Denn es gibt genügend gute Beispiele von Windkraftanlagen auch in der Schweiz. Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, das wäre meine Empfehlung! Sollten wir diese Motion ablehnen, werden wir uns ja weiterhin mit der möglichen Nutzung der Windkraft im Thurgau beschäftigen, denn wir haben ja auch noch eine Pendenz zum entsprechenden Kapitel im Richtplan, welches wir bei der Richtplandebatte zurückgestellt hatten. Ich empfehle euch den Besuch der in den letzten Jahren neu erstellten Windkraftanlagen in der Schweiz. Zum Beispiel in Haldenstein bei Chur oder die Region Mont Soleil, Mont Crosin, das lohnt sich auf jeden Fall. Trotz intensiver Nutzung der Windenergie eine wunderbare und intakte Landschaft mit kraftvoller Ausstrahlung. Verbindet euren Ausflug mit einer wunderbaren Wanderung oder mit einem traumhaften Veloausflug. Macht euch selbst ein Bild davon, geht unter die Anlagen, besucht die Infozentren und hört auf den vermeintlichen Lärm, begutachtet die vermeintlich zerstörten Landschaftsbilder. Lässt das alles auf euch wirken, vergleicht mit dem Lärm der angrenzenden Autobahnen, vergleicht mit den Bildern der grossen Hochspannungsleitungen. Genau das könnte helfen, die Diskussion um die Windkraft wieder auf eine sachliche Ebene zu führen. Abschliessend zur Ergänzung noch die Produktionszahlen des Windparkes von St. Imier: Nach einer Aufrüstung war die Windkraftanlage 2017 erstmals ein volles Jahr mit 16 Turbinen der neusten Generation in Betrieb und hat im vergangenen Jahr insgesamt 74 Millionen Kilowattstunden Strom produziert. Das reicht für 16`400 Haushalte oder damit könnte man mit einem Tesla 9`000 mal die Erde umrunden, mit meinem E- Bike sogar 277`000 mal! Die Region um St. Imier produziert knapp 5% des Thurgauer Stromverbrauchs!

Motion von David Zimmermann und Hanspeter Gantenbein vom 16. August 2017

„Abstandsvorschriften für Windkraftanlagen gegenüber Bauten und Anlagen“

 Frau Präsidentin, geschätzte Kolleginnen und Kollegen

Ich spreche für die Fraktion CVP/EVP und ich nehme es gleich vorweg, unsere Fraktion lehnt die Motion einstimmig ab. Dafür gibt es gute Gründe: Was die Motionäre hier fordern ist nichts weniger als ein Totalverbot der Windkraftnutzung im Kanton Thurgau. Ich verweise hier auf die regierungsrätliche Antwort. Sie ist wirklich fachlich hervorragend abgefasst und sehr detailliert. Und sie widerlegt gleich die Aussagen der Motionäre betreffend der Regelung in Bayern und auch betreffend der Lärmschutzgesetzgebung. Ich möchte das hier nicht alles wiederholen und will mich viel lieber ein paar grundsätzlichen Dingen zuwenden. Eben der Frage, können wir uns ein Technologieverbot für Windkraft leisten. Nein, das wollen und können wir uns nicht leisten! Das liegt in der heutigen Zeit total quer in der Landschaft und das wäre schlicht nicht zu verantworten. Was wären denn die Alternativen? Atomkraftwerke? Nein, das wäre wirklich keine Alternative! Wir sind schon stark gefordert, nein, wir sind überfordert mit dem Rückbau und der Entsorgung der bestehenden nuklearen Kraftwerke. Wir haben es in der Raumplanungskommission an der letzten Sitzung erfahren. Das Endlager könnte an die Thurgauer Grenze zu liegen kommen und unsere Nachkommen wären eine Million Jahre in der Pflicht, die strahlenden Reste zu überwachen!

Kohlkraftwerke? Die CO2 Schleudern, nein das wären keine Alternativen!

«Keine Windräder? Bodensee hat Potenzial von zwei AKW`s», nicht zufällig die Titelgeschichte der Wiler Nachrichten vor zwei Wochen und weiter «Zwei Kantonsräte wollen Strom aus dem Bodensee nutzen, dieser könnte zwei AKW`s ersetzen». Dies solle mit Hilfe von Wärmepumpen geschehen. Wärmepumpen produzieren aber nicht Strom, sie brauchen Strom. Sie nutzen Wärme aus dem Boden, der Luft oder eben einem Fluss oder See. Damit können fossile Energien wie Heizöl und Erdgas ersetzt werden, was sehr wertvoll ist. Smart-Grid fähige Wärmepumpen im intelligenten Stromnetz könnten zukünftig auch Stromüberschüsse gezielt nutzen, um Wärmespeicher zu füllen oder Gebäude zu kühlen. Mit einem Teil Strom erzeugen die modernen Wärmepumpen je nach Wärmequelle bis zu 4.5 Teile Wärme. Damit ist eigentlich klar, dass wir mit Wärmepumpen am Bodensee nicht AKW`s und Windräder ersetzen. Vielmehr braucht es Strom aus erneuerbaren Quellen – also auch Strom aus Windkraftwerken – um die von den Motionären gewünschten Wärmepumpen am Bodensee zu betreiben!

Nochmals, die Nutzung des Bodenseewassers als Wärmequelle für grosse Wärmeverbunde und als Ersatz für fossile Brennstoffe, das wäre zu begrüssen. Aber das braucht sauberen Strom, auch von Windkraftanlagen. Diese Motion hier will aber genau dies verhindern. Sie muss also auch im Interesse der Motionäre abgelehnt werden! Auch damit wir das Bodenseewasser mit Wärmepumpen nutzen können!

 

Was wären denn sonst noch Alternativen zur Windenergie? Natürlich Strom aus Holz, noch einfacher aus Biogasanlagen, die erst noch den Methangasausstoss so nebenbei drastisch reduzieren. Gerade im Thurgau eine echte Alternative, zudem erst noch speicherbar!

Geothermische Kraftwerke? Das hoffe ich natürlich, aber auch hier gibt es viel Widerstand! Und auch noch einiges an Entwicklungsarbeit zu leisten! Sonnenkraftwerke, Photovoltaik? Ja natürlich! Dafür haben wir immer gekämpft! Und nun ist alles viel schneller gegangen als bisher angenommen. PV ist nun nicht mehr aufzuhalten, aber sie braucht Speicher und ergänzende Kraftwerke, z. B. eben aus Biomasse und natürlich die Grosswasserkraft und natürlich die Pumspeicherkraftwerke. Und eben einige wenige Windkraftanlagen. Und das auch im Thurgau! Windkraft passt zu Photovoltaik, bei Wind fällt im Winter mehr Strom an als im Sommer! Neue, moderne und effiziente Windkraftwerke ernten den Wind auf über 100 m über Terrain und sind dabei gemäss einer US- Studie reine Effizienzwunder. In 20 Jahren erntet ein einziges Windrad soviel Energie, dass davon 40 weitere gebaut werden können! Ein Effizienzwunder im Vergleich zu fossilen Kraftwerken. Und ein CO2 Wunder obendrein.

Ich komme zum Schluss: Kaum ein Thema wird heute so heiss diskutiert wie Windenergieanlagen in der Schweiz. Dabei kursieren die wildesten Gerüchte! Das müsste nicht sein. Denn es gibt genügend gute Beispiele von Windkraftanlagen auch in der Schweiz. Das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, das wäre meine Empfehlung! Sollten wir diese Motion ablehnen, werden wir uns ja weiterhin mit der möglichen Nutzung der Windkraft im Thurgau beschäftigen, denn wir haben ja auch noch eine Pendenz zum entsprechenden Kapitel im Richtplan, welches wir bei der Richtplandebatte zurückgestellt hatten. Ich empfehle euch den Besuch der in den letzten Jahren neu erstellten Windkraftanlagen in der Schweiz. Zum Beispiel in Haldenstein bei Chur oder die Region Mont Soleil, Mont Crosin, das lohnt sich auf jeden Fall. Trotz intensiver Nutzung der Windenergie eine wunderbare und intakte Landschaft mit kraftvoller Ausstrahlung. Verbindet euren Ausflug mit einer wunderbaren Wanderung oder mit einem traumhaften Veloausflug. Macht euch selbst ein Bild davon, geht unter die Anlagen, besucht die Infozentren und hört auf den vermeintlichen Lärm, begutachtet die vermeintlich zerstörten Landschaftsbilder. Lässt das alles auf euch wirken, vergleicht mit dem Lärm der angrenzenden Autobahnen, vergleicht mit den Bildern der grossen Hochspannungsleitungen.

 

Genau das könnte helfen, die Diskussion um die Windkraft wieder auf eine sachliche Ebene zu führen. Abschliessend zur Ergänzung noch die Produktionszahlen des Windparkes von St. Imier: Nach einer Aufrüstung war die Windkraftanlage 2017 erstmals ein volles Jahr mit 16 Turbinen der neusten Generation in Betrieb und hat im vergangenen Jahr insgesamt 74 Millionen Kilowattstunden Strom produziert. Das reicht für 16`400 Haushalte oder damit könnte man mit einem Tesla 9`000 mal die Erde umrunden, mit meinem E- Bike sogar 277`000 mal! Die Region um St. Imier produziert knapp 5% des Thurgauer Stromverbrauchs!

 

Lehnen Sie diese Motion ab. Herzlichen Dank!