10.03.2016 / Agrarpolitik / /

Wer den Schleppschlauch einsetzt wird bestraft – ein unhaltbarer Zustand!

Die Produktion von gesunden Nahrungsmitteln hat im Kanton Thurgau seit Jahrzehnten einen überaus grossen Stellenwert. Dementsprechend ist die Bedeutung der Nahrungsmittelproduktion und –verarbeitung für unsere Landwirtschaft, für unser Gewerbe und auch für die Industrie nach wie vor auch im schweizweiten Vergleich überdurchschnittlich gross.

Die Produktion von gesunden Nahrungsmitteln hat im Kanton Thurgau seit Jahrzehnten einen überaus grossen Stellenwert. Dementsprechend ist die Bedeutung der Nahrungsmittelproduktion und –verarbeitung für unsere Landwirtschaft, für unser Gewerbe und auch für die Industrie nach wie vor auch im schweizweiten Vergleich überdurchschnittlich gross.

Die produzierende Landwirtschaft kommt aber leider immer mehr unter Druck. Leider ist es so, je mehr die Bauernfamilien sich in Richtung mehr Ökologie hinbewegen, umso mehr kommt der Druck, immer noch mehr in diese Richtung zu tun.

 

Genauso eine Entwicklung zeigt Moritz Tanner in seiner Interpellation auf. Wir hatten 2008 bis 2013 ein kant. Programm zur Einführung des Schleppschlauches im Kanton Thurgau. Es war ein voller Erfolg, das Programm wurde schweizweit beachtet. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das Güllen mit dem Schleppschlauch ist auch für den Landwirt viel angenehmer, auf keinen Fall möchte ich zurück zum alten System ohne Schleppschlauch. Ich kann auch damit leben, dass die Beiträge auf Grund der neuen Bundeslösung zurückgefahren werden. Wo liegt also das Problem? Offenbar gibt es beim Bundesamt für Umwelt Leute, die der Landwirtschaft eine weitere Extensivierung aufzwingen wollen. Wie anders ist es zu erklären, dass nun ausgerechnet Landwirte, die sich im Sinne der Umwelt und der Gesellschaft wohlverhalten, für eben dieses Verhalten bestraft werden? Wir haben ja viele Lehrer im Saal. Sie alle wissen, dass eine solche Pädagogik unsinnig und kontraproduktiv ist, um Ziele zu erreichen.

 

Landwirte, die den Schleppschlauch einsetzen, werden mit einem Stickstoffabzug bestraft. Dies mit der Begründung, mit dem Schleppschlauch ginge weniger Stickstoff in die Luft, also stünde den Pflanzen mehr zur Verfügung. Auch wenn dem so wäre, warum würde man dem sich wohlverhaltenden Landwirt nicht einen kleinen Mehrertrag gönnen? Es wäre ja ein Anreiz, das Gute weiterhin zu tun, genauso wie es das Ziel des Förderprogrammes war.

Dieser erwähnte Mehrertrag konnte bis jetzt aber wissenschaftlich nie nachgewiesen werden, das haben Forscher bei Agroscope genauso bestätigt, wie letzthin auch der neue Leiter beim Landwirtschaftsamt des Kantons Thurgau.

 

Wissenschaftlich bewiesen und von vielen Anwohnern bestätigt wird hingegen die positive Wirkung in Bezug auf die Geruchsemmissionen. Der Gülleaustrag mit dem Schleppschlauch ist angenehmer für alle, also für den Bauer genauso wie für die Anwohner. Es ist einfach widersinnig den Einsatz des Schleppschlauches mit einer wissenschaftlich nicht nachgewiesenen Begründung zu bestrafen! Wirklich unsinnig!

Aber solches Handeln hat neuerdings System. Das erlebe ich jetzt auch als Betreiber einer Kleinbiogasanlage. Mit grösstem Einsatz aller möglichen Ressourcen haben wir nun unsere reine Hofdüngeranlage gebaut und in Betrieb genommen. Sie hat positive Umweltwirkungen im grossen Stil, das bestätigen auch wissenschaftliche Untersuchungen. Deshalb werden solche Anlagen ja auch gezielt gefördert. Leider kommt wiederum vom BafU eine unsinnige Bestimmung und zermürbt die Anlagenbetreiber schweizweit. Weil Gülle aus Biogasanlagen eine bessere Stickstoffwirkung hat, wird in der Bilanz für Gärgülle ein Faktor von 0.7 statt 0.6 vorgeschrieben. Ein Bauer, der vor Inbetriebnahme der Kleinbiogasanlage im Rahmen der Normen produziert, wird nach Inbetriebnahme der Anlage gezwungen, entweder seine Betriebsfläche um über 15% zu vergrössern oder Gülle abzuführen. Wiederum bestraft man also den Betrieb, der sich eigentlich vorbildlich verhält. Schlimmer noch, man verursacht auch noch einen zusätzlichen Gülletourismus grössten Ausmasses mit all ‘seinen negativen Auswirkungen.

Solches Handeln ist schlicht unverständlich. Es treibt die Nahrungsmittel produzierende Landwirtschaft in den Ruin. Viele Bauernfamilien sind betroffen und getroffen. Das schlägt auf die Moral. Wir müssen uns bald einmal dafür entschuldigen, wenn wir noch Nahrungsmittel produzieren. Das sage ich hier nicht leichtfertig. Viele meiner Berufskolleginnen und Kollegen denken genau so, das hat sich an der Präsidentenkonferenz des VTL ebenfalls bestätigt.

Ich bitte den Regierungsrat hier Gegensteuer zu geben und sich vermehrt für die nahrungsmittelproduzierenden Thurgauer Landwirtschaftsbetriebe einzusetzen.

Votum Josef Gemperle im Grossen Rat anlässlich der Diskussion Interpellation Schleppschlauch.