14.03.2012 / Allgemein / /

Der Atomausstieg ist machbar

Solaranlagen müssen künftig ein Fünftel des Strombedarfs decken, um die Atomkraftwerke zu ersetzen. 6,5 Quadratmeter Solarpanels pro Einwohner reichen dafür, erklärte Fabrizio Noembrini, Mitautor der ETH-Studie «Energiezukunft Schweiz».

«Der Atomausstieg ist machbar»

Waengi ( Rosental ) TG , 29.07.2011 / Groesste Solaranlage der Schweiz auf dem Industriedach  in der Oberen Au in Rosental . Bild: Donato aspari Zoom

Das grösste Solarkraftwerk der Ostschweiz auf der Silga-Halle in Rosental produziert auf 3500 Quadratmetern Strom für über 500 Einwohner. (Bild: Archivbild: Donato Caspari)

Solaranlagen müssen künftig ein Fünftel des Strombedarfs decken, um die Atomkraftwerke zu ersetzen. 6,5 Quadratmeter Solarpanels pro Einwohner reichen dafür, erklärte Fabrizio Noembrini, Mitautor der ETH-Studie «Energiezukunft Schweiz».

RUTH BOSSERT

TOBEL. Der Besucherstrom in die Turnhalle Tobel wollte am Mittwochabend nicht abreissen. Wer noch etwas zu trinken holen konnte, war gut bedient. Viele versuchten sich nur noch rasch einen der letzten Stühle zu schnappen, bevor die Veranstaltung der Arbeitsgruppe Landwirtschaft der CVP Thurgau und Bezirk Münchwilen mit einiger Verspätung begann. Josef Gemperle, Kantonsrat aus Fischingen und ein grosser Kämpfer für erneuerbare Energien, war hoch erfreut. Nicht nur der sechs hochkarätigen Referenten wegen, die er ankündigen durfte, sondern auch über die mehr als 200 Besucherinnen und Besucher.

In seinem Referat erklärte Fabrizio Noembrini, Geschäftsführer Energy Science der ETH Zürich, dass ein schrittweiser Ausstieg aus der Atomenergie machbar und wirtschaftlich verkraftbar ist. Die Studie mache aber auch klar, dass grosse Anstrengungen auf allen Ebenen der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft nötig sind, damit die angestrebte Energiewende möglich wird – unter Einhaltung der gesteckten Klimaziele und ohne Wohlstandsverlust. Für Noembrini wird die Photovoltaik im zukünftigen Strommix eine entscheidende Rolle spielen.

Nationaler Mix im 2050

Gemäss der Studie des ETH-Forscherteams werde die Schweiz im Jahre 2050 ihren Strom aus Wasserkraft (50 Prozent), Sonnenenergie (15-20 Prozent), Biomasse (6-10 Prozent), Erdwärme (0-10 Prozent) sowie Wind (3-5 Prozent) beziehen. Das verbleibende Viertel muss importiert oder durch Gaskraftwerke produziert werden. Damit reduziert sich der importierte Strom um zwei Drittel gegenüber dem heutigen Stand. «Damit ein Fünftel des Schweizer Strombedarfs im Jahr 2050 mit der Sonne produziert werden kann, braucht es Photovoltaikanlagen mit insgesamt 58 Quadratkilometern Fläche, was bei neun Millionen Einwohnern sechseinhalb Quadratmeter pro Kopf entspricht», rechnete Noembrini vor. Die Verteuerung von Erdöl und Erdgas und der Umstieg auf erneuerbare Energien führten zu leicht höheren Energieausgaben.

Erfolgreiches Thurgauer Modell

Andrea Paoli, Leiter Abteilung Energie des Kantons Thurgau, erklärte, wie sich der Thurgau mit einem effizienten Förderprogramm schweizweit einen Namen gemacht hat. Im vergangenen Jahr wurden 2700 Gesuche bewilligt. 28,5 Millionen Franken wurden ausbezahlt, welche weitere 175 Millionen Franken Investitionen auslösten. Über sieben Millionen Liter Erdöl werden so eingespart. «Mit unserem Modell verbraucht der Stromproduzent seinen eigenen Strom und kann den Nutzen direkt am Stromzähler ablesen», so Paoli.

Markus Schüpbach, CEO EKT Thurgau, warb bei den Anwesenden dafür, grosse Dächer dem EKT zur Stromproduktion zur Verfügung zu stellen. Urs Dünnenberger, Vorstandsmitglied Solarstrom-Pool Thurgau, erklärt, dass sie vom eigenen Erfolg überrollt wurden und heute zu wenig Solarstrom verkaufen können. Deshalb mussten sie aus dem bisherigen Förderprogramm aussteigen und verlangen nun von allen Stromanbietern, ein Prozent Solarstrom in die Grundversorgung einfliessen zu lassen.

http://www.thurgauerzeitung.ch/ostschweiz/thurgau/hinterthurgau/tz-ht/art123857,2886705