15.08.2012 / Allgemein / /

Die Aktion für eine vernünftige Energiepolitik Thurgau ist für die weitere Nutzung der Kernenergie. Präsident Urs Martin (SVP) ist überzeugt, dass es die Vereinigung weiter braucht. CVP-Energiepolitiker Josef Gemperle rät ihr zu einer Neuorientierung, da das Volk Kernkraftwerke ablehne

Kantonsrat Josef Gemperle (CVP, Fischingen) ist der Vater der vom Volk angenommenen kantonalen Energie-Initiativen. Er kritisiert, dass der Präsident der Aves CH die Kernenergie weiter fördern will. Wenn man das tue, würden die Energieeffizienz und die Alternativenergien weniger konsequent gefördert. Nach dem absehbaren Volks-Nein zu einem neuen Kernkraftwerk stehe die Schweiz mit einem Patt und leeren Händen da, sagt Gemperle.

Der Bundesrat hat nach dem Unglück in Fukushima (2011) den Atomausstieg der Schweiz beschlossen. Braucht es da die 1979 gegründete «Aktion für eine vernünftige Energiepolitik Schweiz» (Aves) überhaupt noch? Sie fordert ja auf der Homepage ein obligatorisches Referendum über den Atomausstieg und die Planung mindestens eines Kernkraftwerks als Ersatz für die bestehenden Anlagen.
Gegen Ausstieg ohne Alternative

Jung im Vergleich zur Dachorganisation ist die Thurgauer Sektion der Aves. Vor kurzem führte sie die dritte Mitgliederversammlung durch (siehe Kasten). Sektionspräsident und Kantonsrat Urs Martin (SVP, Romanshorn) will die Aves Thurgau noch nicht zu Grabe tragen. Er hält mit Kritik an der Landesregierung nicht zurück. «Die vier Frauen im Bundesrat haben den Atomausstieg beschlossen. Sie haben das getan, ohne zu wissen, was die Alternative zum Strom ist, den die Kernkraftwerke produzieren.»

Der Stromverbrauch steige parallel zum Wirtschaftswachstum, gibt Martin zu bedenken. Er lehnt den Ausstieg ab, solange offen ist, woher Ersatz für die rund 50 Terawattstunden Strom kommt, die aus Kernkraftwerken und Importen stammten. Die Unterlagen des Bundesrats gäben dazu keine Auskunft. Der Ausbau der Sonnenenergie sei nötig und möglich, räumt er ein, aber es brauche Reserven, wenn die Sonne nicht scheine. Schliesslich stelle sich die Frage, was der Atomausstieg für die Strompreise bedeute. Im Thurgau gebe es Betriebe, die viel Strom verbrauchten wie Model, Stadler Rail oder die Zuckerfabrik Frauenfeld. Punkto Mitgliederzahl sei die Aves Thurgau seit «Fukushima» weder gewachsen noch geschrumpft.
Mehr Effizienz hat erste Priorität

Kantonsrat Josef Gemperle (CVP, Fischingen) ist der Vater der vom Volk angenommenen kantonalen Energie-Initiativen. Er kritisiert, dass der Präsident der Aves CH die Kernenergie weiter fördern will. Wenn man das tue, würden die Energieeffizienz und die Alternativenergien weniger konsequent gefördert. Nach dem absehbaren Volks-Nein zu einem neuen Kernkraftwerk stehe die Schweiz mit einem Patt und leeren Händen da, sagt Gemperle.

Die Aves sei durch den Ausstiegsbeschluss des Bundesrats nicht überflüssig geworden, findet Gemperle, aber sie wäre gut beraten, sich neu zu orientieren. Es brauche alle Technologien, sagt Gemperle, aber in erster Linie die effizientere Nutzung der Energie. Daran führe kein Weg vorbei, und das sehe auch der Regierungsrat so. Bei einer Aufhebung aller Deckelungen für die Kostendeckenden Einspeisevergütung steige der Strompreis um maximal zwei Rappen je Kilowattstunde, sagt Gemperle und beruft sich auf die ETH. Die Zahl von 20 bis 30 Rappen sei falsch. Allerdings müsse die Schweiz in den Ausbau der Stromnetze investieren. Das sei in jedem Fall nötig, weil in den letzten Jahrzehnten zu wenig getan worden sei, sagt Gemperle.