02.07.2013 / Allgemein / /

Die CVP Thurgau habe Handlungsbedarf

Die CVP Thurgau habe Handlungsbedarf an gewissen Stellen, sagt ihr neuer Präsident Gallus Müller. Trotzdem ist er zuversichtlich, dass er seine Ziele erreichen wird und die CVP die zweitstärkste Kraft im Kanton bleibt.

Herr Müller, als Präsident der Christlichen Volkspartei, was gewichten Sie mehr, das C oder das V?

Gallus Müller: Das kann man so nicht sagen. Das C steht im Zentrum des Vs. Also hat beides seine Berechtigung. Das christliche Handeln dient dem Volk.
Bleiben wir beim V und damit bei den bürgerlichen Parteien. Die CVP Schweiz sucht den Schulterschluss mit der BDP, die CVP Thurgau bildet eine Fraktion mit der GLP. Ist das nicht die falsche Richtung?

Müller: Nein. Die GLP politisiert ähnlich wie wir und ist auch in der Mitte. Im Thurgau wollte die BDP eigenständig eine Fraktion bilden. Das müssen wir akzeptieren. Natürlich wäre es für uns schön gewesen, die BDP wäre auch bei uns dabei gewesen. An und für sich hätten wir dann noch mehr Gewicht im Kantonsparlament. Wir haben zwar in der einen oder anderen Sache verschiedene Ansichten, aber ich denke, dass wir nicht wahnsinnig weit auseinander liegen. Auf diesen Gemeinsamkeiten könnten wir aufbauen.
Die anderen Mitteparteien wollen Ihnen bei den nächsten Kantonsratswahlen Sitze streitig machen. Wie gehen Sie damit um?

Müller: Das ist die Problematik. Während den Wahlen sind wir Konkurrenten, dazwischen müssen wir Mehrheiten finden, um etwas zu erreichen. Es wird dann auf die einzelnen Geschäfte ankommen, wie wir das machen müssen. Grundsätzlich sind wir offen für die Zusammenarbeit im Bereich der Mitte. Wir sehen uns als klar bürgerliche Partei an.
Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Präsidentschaft gesetzt?

Müller: Ich möchte die CVP im Thurgau als zweitstärkste Kraft präsentieren. Wir haben zuletzt Wähleranteile verloren. Ich möchte, dass wir das aufholen können. Das im Wissen, dass die Zersplitterung uns mindestens so geschadet hat wie allen anderen. Ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen werden.
Wie möchten Sie das anstellen?

Müller: Wir werden uns für wichtige Sachen einsetzen. Das haben wir bereits in der Vergangenheit so gemacht. Nehmen Sie Energie als Beispiel: Es ist die CVP, und das müssen wir klipp und klar sagen, die sich dem Thema erneuerbare Energie hauptsächlich angenommen hat. Es geht darum, dass wir unsere Schwerpunkte gegen aussen kundtun. Denn leider werden die nicht überall wahrgenommen. Andere Parteien reden vielleicht schöner daher als wir.
Apropos erneuerbare Energie: Bei diesem Thema legt sich vor allem CVP-Kantonsrat Josef Gemperle ins Zeug. Er wird als Nachfolger Bernhard Kochs und möglicher Regierungsrat gehandelt, ein Amt, das auch weitere CVP-Mitglieder anstreben. Wie werden Sie die Vakanz als Präsident handhaben?

Müller: Wann das Amt tatsächlich frei wird, werden wir erst noch sehen. Es ist natürlich schön, dass Sie das so einschätzen, dass mehrere Kandidaten sich in Position für den Regierungsratssitz bringen. Eigentlich ist es für eine Partei das schönste, aus mehreren fähigen Kandidaten auswählen zu können. Wir werden zum Zeitpunkt, an dem der Rücktritt bekannt wird, selbstverständlich in der gesamten Thurgauer Partei um Nominationen bitten. So wie das in einer Demokratie eigentlich laufen sollte. Die Vorschläge müssen von der Basis nach oben kommen. Dann wird an einer Versammlung der am besten geeignete und gewünschte Kandidat oder die Kandidatin nominiert.
Haben Sie einen Kronfavoriten?

Müller: Nein. Wir wollen das offenhalten. Es wäre falsch, wenn wir jetzt versuchen würden, jemanden zum Kronfavoriten zu machen. Denn vielleicht steht die Person zum Zeitpunkt x nicht mehr zur Verfügung. Es ist viel wichtiger, dass wir verschiedene Möglichkeiten haben.
Sie haben die Basis der CVP angesprochen. Vor fünf Jahren ortete die Parteileitung hier Handlungsbedarf und wollte mehr Ortsparteien gründen. Ist man auf Kurs?

Müller: Wir haben tatsächlich Handlungsbedarf an gewissen Stellen. In letzter Zeit haben wir aber auch erreicht, dass der Kontakt von der Kantonalpartei zu den Ortsparteien gestärkt worden ist. Wir haben jährlich Treffen mit den Ortsparteien und das ist der richtige Weg. Ob wir es schaffen können, mehr Ortsparteien zu gründen, hängt auch von den Leuten in den entsprechenden Gemeinden ab. Wir bieten sicher Hilfe an. Wichtig ist, dass wir immer einen engen Kontakt zu den Ortsparteien pflegen. Sei das via Bezirkspartei oder direkt.
Auf was freuen Sie sich besonders als Präsident?

Müller: Ich werde mit vielen Leuten Kontakt haben. Zudem haben wir eine gute Crew beieinander und es ist eine Freude, mit diesen Leuten zusammenzuarbeiten. Ich sage nicht: Oh, jetzt muss ich noch an die Sitzung. Sondern: Hey, ich darf an die Sitzung. Bei den Sachthemen freue ich mich auf die Raumplanung, die für den Thurgau zentral ist. Noch haben wir intakte Landschaften und das Gefüge stimmt. Dem müssen wir Sorge tragen.