27.11.2013 / Allgemein / /

Die drei Lager mobilisieren

Hinter den Kulissen läuft der parteiinterne Wahlkampf um den Sitz der CVP im Thurgauer Regierungsrat. Als Wirtschaftsvertreterin, Fraktionspräsidentin und Frau hat Carmen Haag noch immer einen Vorsprung.

THOMAS WUNDERLIN

FRAUENFELD. Als die CVP Thurgau das letzte Mal einen Regierungsratskandidaten nominierte, fiel der Entscheid noch vor der Delegiertenversammlung. Aussichtsreiche Anwärter verzichteten von vornherein auf eine Kandidatur. So nominierten die Delegierten am 13. Januar 2000 schon im ersten Wahlgang den Favoriten Bernhard Koch mit 92 von 146 Stimmen. Ferner kandidierten: Willy Weibel (33 Stimmen) und Josef Mattle (19). Diesmal sieht es nach einer weniger straffen Regie aus.

Als Kronprinzessin gilt zwar die 40jährige Stettfurter Unternehmensberaterin Carmen Haag, seit sie 2007 Präsidentin der CVP-Grossratsfraktion geworden ist. Sie konnte ihre Kandidatur gleich bekanntgeben, als Koch am 23. Oktober seinen Rücktritt auf den 31. Mai 2014 ankündigte. Doch ihre Nomination sei keineswegs sicher, erklären verschiedene CVP-Politiker.

Eine Alternative ist der 55jährige Romanshorner Norbert Senn, der als Präsident der grossrätlichen Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission auch ein Amt hat, das als Sprungbrett in die Regierung dienen könnte. Und der 53jährige Fischinger Bauer und Energiepolitiker Josef Gemperle hat der CVP ein grünes Profil verschafft, um das sie die FDP beneiden könnte. Die drei Lager, versuchen derzeit, den rund 150 Delegierten die Vorzüge ihres Kandidaten bekanntzumachen. Bei der Meinungsbildung liegt Senn zurück, da er als letzter ins Rennen gegangen ist.
Entscheidende Präsentation

«Alle drei sind gleichauf», glaubt die Birwinker Kantonsrätin Astrid Ziegler. Sie sei selber gespalten, wen sie wähle. Einen Favoriten oder eine Favoritin könne er nicht nennen, sagt der Bürgler Kantonsrat Armin Eugster. Für ihn werde die Präsentation der Kandidaten wichtig sein. «Man kann dann Fragen stellen und sieht, wie sattelfest sie sind.» Fabienne Brandenberger aus Ottoberg sieht «ein offenes Rennen». Das Mitglied der CVP-Arbeitsgruppe Wirtschaft und Gesellschaft unterstützt Carmen Haag. Sie vertrete die Wirtschaft und sei bestens gerüstet. Das sei ihre persönliche Meinung, betont Brandenberger. Zum Haag-Lager zählt auch Simone Curau, Präsidentin der CVP-Frauen. «Ich bin für eine Quote, aber Carmen Haag ist keine Quotenfrau.» Die Kandidatin verfüge über einen prallvollen Rucksack und sei «in einem guten Alter».
Ein Unternehmer für Gemperle

Gemperle wird auch von Unternehmern unterstützt, zumindest von Ruedi Heim, Präsident der Münchwiler Bezirkspartei. «Kollegen sehen Gemperle als Subventionsjäger», räumt er ein, «aber das ist er nicht.» Gemperle sei jemand, der anpacke und etwas erreicht habe.

Haag sei «leicht zu favorisieren», sagt der Arboner Kantonsrat Patrick Hug. Er unterstützt Norbert Senn. Der Oberthurgau solle nach dem Rücktritt von Koch und dem zu erwartenden Rücktritt von Claudius Graf-Schelling weiterhin mit einer starken Persönlichkeit im Regierungsrat vertreten sein.

Carmen Haag sei ihm sympathisch, sagt der Kreuzlinger CVP-Gemeinderat und Gewerkschafter Ernst Zülle. Von der politischen Gesinnung her stehe ihm vielleicht ein anderer Kandidat näher. Er lässt es offen, wem er seine Stimme gäbe, wenn er am Montag in Aadorf, statt im Ausland wäre.