07.11.2012 / Allgemein / /

Energiekonzept-Zwischenbericht: Regierungsrat ist selbstkritisch

Auf Antrag des Fischinger CVP-Kantonsrats Josef Gemperle präsentierte der Regierungsrat das besagte Energiekonzept im Frühling 2007.

«In gewissen Bereichen sind wir noch nicht dort, wo wir sein wollen», stellt Andreas Keller, Generalsekretär im Departement für Inneres und Volkswirtschaft, fest. Er spricht auf die kürzlich veröffentlichte Zwischenbilanz des Regierungsrats zum «Konzept zur verstärkten Förderung erneuerbarer Energie und der Energieeffizienz» an.
Konzept mit Zielen und Vision

Auf Antrag des Fischinger CVP-Kantonsrats Josef Gemperle präsentierte der Regierungsrat das besagte Energiekonzept im Frühling 2007. Neben der Vision der 2000-Watt-Gesellschaft für den Zeitraum 2050 bis 2080 legte der Regierungsrat darin auch Schwerpunkte und fünf konkret messbare Zielsetzungen fest. Für das Erreichen der Ziele war 2015 terminiert. Nun spricht Keller von «teils etwas unglücklich gewählten Zielsetzungen», weil sie nur beschränkt beeinflussbar seien durch den Kanton, vielmehr auf einen Mentalitätswandel in der Bevölkerung fokussierten. «Dafür sieht es dort, wo wir konkret Einfluss nehmen können, gut aus», erklärt der DIV-Generalsekretär.

Etwa beim Energieverbrauch in kantonalen Liegenschaften. Der Bedarf an nicht erneuerbaren Energien soll jährlich um 1,5 Prozent sinken. Der Entschluss des Regierungsrats, alle kantonalen Neubauten im Minergie-P-Standard und alle Umbauten mindestens im Minergie-Standard zu realisieren, ist ein Baustein dazu. Weiter soll ab 2013 ein Energie-Facility-Manager eine Energieerfassung für alle kantonalen Gebäude einführen und energetische Betriebsoptimierungen umsetzen. Diese neue Stelle ist beschlossen, bei welchem Departement sie angesiedelt wird, ist gemäss Regierungsrat Kaspar Schläpfer noch zu konkretisieren.
Erneuerbare Wärme nimmt zu

Die Nutzung erneuerbarer Wärme hat gemäss Zwischenbericht im Thurgau zwischen 2000 und 2011 um 164 Gigawattstunden (GWh) jährlich zugenommen. Ziel war eine jährliche Zunahme bis 2015 von 144 GWh. Beim erneuerbaren Strom wurde eine Zunahme von 26 GWh festgestellt. Ziel waren jährlich 25 GWh mehr. Hier liege man über Kurs, sagt Schläpfer. Beim Verbrauch fossiler Energien in Gebäuden sowie in der Privatwirtschaft war eine Abnahme um 15 Prozent von 2000 bis 2015 angepeilt. «Es wäre zu teuer, aussagekräftige lokale Daten zu erhalten», erklärt Schläpfer. Deshalb verzichte der Regierungsrat auf eine konkrete Aussage. Aufgrund der grossen Anstrengungen des Kantons könne aber von einer stärkeren Reduktion gegenüber der nationalen Werte ausgegangen werden, ist im Bericht zu lesen. Und Keller sagt: «Zusammen mit Basel-Stadt sind wir schweizweit weiterhin an der Spitze in Sachen Förderung erneuerbarer Energien und Energieeffizienz.»
Nichterreichte Ziele

Nicht erreicht werden konnten bislang die Ziele beim Verbrauch von Elektrizität (weniger als fünf Prozent Zunahme seit 2000) und fossiler Energien im Verkehr (fünf Prozent Abnahme seit 2000). Der intensiven ÖV-Förderung und den steuerlichen Anreizen für sparsame Fahrzeuge stehe die 24prozentige Zunahme an Fahrzeugen im Thurgau innert zehn Jahren gegenüber, sagt Keller. «Aber wir haben es nicht in der Hand, wie viel und welche Autos die Leute fahren wollen.»