06.11.2013 / Allgemein / /

Energiepolitiker finden Bestätigung

Josef Gemperle, CVP-Kantonsrat, Fischingen, Vorkämpfer für erneuerbare Energien. (Bild: Chris Mansfield)
Von der Energiestudie des Think Tank Thurgau fühlen sich Vorkämpfer der erneuerbaren Energien bestätigt. Die Thurgauer Wirtschaft legt Wert auf wettbewerbsfähige Energiepreise. Die Autarkie-Idee stösst auf Skepsis.

THOMAS WUNDERLIN

FRAUENFELD. CVP-Kantonsrat Josef Gemperle fühlt sich bestätigt. Die Studie des Think Tank Thurgau zur Thurgauer Energieversorgung empfiehlt den Ausbau der Photovoltaik, nebst Biogas und Wasserkraft (Ausgabe von gestern). «Die Sonne hat ein riesiges Potenzial», sagt Gemperle, der sich als Energiepolitiker profiliert hat.
EKT soll sich an Studie halten

Er hoffe, das Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau (EKT), das die Studie mitfinanziert hat, werde sich selber daran halten. Er fordere schon lange Jahre ein grösseres Engagement des EKT in der Solarenergie. Bei Elektroautos sagt Gemperle einen Boom in den nächsten Jahren voraus. Auch mit der Abklärung des Geothermieprojekts im Oberthurgau solle es voran machen. In erster Linie müsse auf Energieeffizienz gesetzt werden, vor allem die öffentliche Hand. Der Kanton hält sich bei seinen Bauten daran, findet Gemperle. «Aber bei Schul- und Kirchgemeinden muss man immer wieder darüber diskutieren.»

Investitionen in die Effizienz sind «mit Sicherheit sinnvoll», findet auch Peter Maag. Der Direktor der Industrie- und Handelskammer Thurgau hält die Studie für eine «gute Darstellung der Ausgangslage und möglicher Szenarien.» Er betont, dass die Thurgauer Unternehmen ein vorrangiges Interesse an einer sicheren Energieversorgung «zu wettbewerbsfähigen Preisen» haben. Maag zweifelt daran, dass die kantonale Ebene im Energiebereich wirklich Sinn habe.
Kantonskonkurrenz spielt

Auch der Münchwiler GP-Kantonsrat Toni Kappeler findet: «Man kann nicht Energieautarkie anstreben.» Die Konkurrenz unter den Kantonen könne aber viel bringen. Kappeler störte sich bei der Präsentation der Studie vor allem am Podiumsteilnehmer Thomas Held, weil er den Atomausstieg in Frage stellte. Darüber muss laut Kappeler gar nicht diskutiert werden. «Wir müssen die Energiewende schaffen. Punkt.» Dazu beitragen soll eine ökologische Steuerreform, die Energie statt Arbeit besteuert. Im Gegensatz zur Studie sieht Gemperle bei der Windkraft Potenzial, und zwar bei grösseren Anlagen. Der Studienverfasser habe nicht die neusten Winddaten gehabt, meint auch Andreas Keller, Generalsekretär des Volkswirtschaftsdepartements. Das Referat und vor allem die Diskussion habe er interessant gefunden – darunter den Hinweis von Professor Rolf Wüstenhagen, dass die Stromversorgung mit Kernkraft nicht billiger werde. Der Regierungsrat werde bald ein Stromkonzept ohne Kernenergie vorlegen. «Vorher äussern wir uns dazu nicht.»