27.02.2013 / Allgemein / /

Etzwilen wird zur Nagelprobe

Deshalb steht auch Gemperle dem Etzwilener Projekt keineswegs ablehnend gegenüber. «Die Zukunft liegt in der petrothermalen Geothermie», sagt er. Die Technologie brauche aber noch Entwicklung. Der Firma Geo-Energie Suisse AG attestiert Gemperle, dass sie gut abgestützt sei und nicht bloss Utopien verfolge. In Etzwilen wolle die Firma ein kleineres Pilotprojekt realisieren mit einem vorsichtigen Zeitplan.

In Etzwilen will die Firma Geo-Energie Suisse AG den Beweis antreten, dass ihre neue Technik für ein Geothermie-Kraftwerk funktioniert. Ihre Vorgängerin hatte in Basel die Geothermie in Verruf gebracht.
Selbst der eingefleischte Geothermie-Lobbyist blickt mit gemischten Gefühlen auf die jüngst vorgestellten Pläne für ein Erdwärmekraftwerk in Etzwilen. «Mir geht es fast etwas zu schnell», sagt Kantonsrat Josef Gemperle, der Präsident des Vereins Geothermie Thurgau. Grund für seine Zurückhaltung: Die geplante petrothermale Technik (Kasten). Sie ist in Verruf geraten, seit im Winter 2006/2007 in Basel die Erde bebte. Damals presste die Firma Geopower Wasser in die Tiefe, um das Gestein durchlässiger zu machen. Die Beben führten zum Abbruch der Übung.
Axpo ausgestiegen

Nach dem Desaster in Basel gibt es die Firma Geopower nicht mehr. Ihr Erbe angetreten hat die Geo-Energie Suisse AG, die nun in Etzwilen bohren will. Ihr Aktionariat besteht zum guten Teil aus denselben Energiefirmen, die der neuen AG auch die Erkenntnisse der früheren Projekte überlassen haben. Zu den Trägern der Gesellschaft gehören unter anderem die Industriellen Werke Basel, die Elektra Baselland, die Westschweizer EOS, aber auch das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich. Der Stromkonzern Axpo ist nach dem Basler Projekt ausgestiegen.

Der Kanton Thurgau steht aber hinter dem Geothermieprojekt in Etzwilen. «Die Risiken sind nicht beim Thurgau, sondern bei den Projektträgern», sagt Andrea Paoli, Leiter der Abteilung Energie. Grund für die Zuversicht ist die in Etzwilen geplante sanftere Vorgehensweise. Das Gestein in 4500 Metern Tiefe soll im Gegensatz zu Basel nach und nach in vielen kleinen Feldern aufgebrochen werden, satt alles auf einmal. Mit Erdstössen, die Schäden anrichten, rechnet der Kanton darum nicht. Offen sei aber, ob die neue Technik überhaupt zum erhofften Resultat führe, sagt Paoli.
«Angewandte Forschung»

«Das ist angewandte Forschung», sagt Paoli. «Wenn es funktioniert, wäre das ein grosser Meilenstein.» Diese Technik würde ein viel grösseres Energiereservoir erschliessen, als die hydrothermale Geothermie, die bei den Kraftwerkprojekten im Oberthurgau und in St. Gallen zum Zug kommt. Ein petrothermales Kraftwerk könnte überall dort gebaut werden, wo es gebraucht würde.
Nicht bloss Utopien

Deshalb steht auch Gemperle dem Etzwilener Projekt keineswegs ablehnend gegenüber. «Die Zukunft liegt in der petrothermalen Geothermie», sagt er. Die Technologie brauche aber noch Entwicklung. Der Firma Geo-Energie Suisse AG attestiert Gemperle, dass sie gut abgestützt sei und nicht bloss Utopien verfolge. In Etzwilen wolle die Firma ein kleineres Pilotprojekt realisieren mit einem vorsichtigen Zeitplan.

Von einem Pilotprojekt spricht auch Peter Meier, der CEO der Geo-Energie Suisse AG: «Wir wollen zeigen, dass die Technik funktioniert» – und zwar ohne dass Schäden an Gebäuden entstehen. Der Kanton werde die nötige Dokumentation für das Bewilligungsverfahren nächstens erhalten.

Im Vordergrund steht für Meier die Stromproduktion, weniger die Nutzung der überschüssigen Wärme für ein Fernwärmenetz. Es sei allerdings nicht ausgeschlossen, dass es in Etzwilen Interessenten für Heizenergie gebe.