15.07.2011 / Allgemein / /

Fragwürdige Thurgauer Vertretung im AXPO-Verwaltungsrat

Im letzten Abschnitt des Artikels „Nein zu mehr Strom-Demokratie“ (TZ 15.07.2011) bedauert der ehemalige Verwaltungsratspräsident des EKT Hansjakob Zellweger die Schnellschüsse der Politik und moniert, die Energiedebatte werde stark von den Wahlen beeinflusst. Konkret bedauert er die „Schnellschüsse“ in Sachen Atomausstieg und er findet es richtig, dass der Ständerat die „Folgen gründlicher überprüfe“ und damit die Neuausrichtung der Energiepolitik gefährdet. Im Übrigen lässt er durchblicken, er vertrete im AXPO-Verwaltungsrat die Interessen des Kantons Thurgau.

Die Zeilen sind für mich derart absurd, dass ich zuerst den verantwortlichen Journalisten kontaktiert habe, ob diese Aussagen auch wirklich so gemacht worden sind. Blenden wir zurück. Nachdem das EKT noch unter der Führung seines Verwaltungsratspräsidenten Hansjakob Zellweger in den USA Spekulationsverluste von über 40 Mio. erlitt, war dieser in Folge dieses Desasters im Herbst 2009 von seinem Posten zurückgetreten. Für mich ist schlicht nicht nachvollziehbar, warum Hansjakob Zellweger 2011 noch immer den Kanton Thurgau im AXPO- Verwaltungsrat vertritt nach den schweren Verlusten des EKT unter seiner Verantwortung. Unglaublich die Tatsache, dass Zellweger nach der Tragödie beim EKT im März 2010 noch in den Prüf- und Finanzausschuss des AXPO Verwaltungsrates gewählt wird. Im oben erwähnten Artikel wird Regierungsrat Kaspar Schläpfer zitiert. Er betont dabei, gemäss Aktienrecht trage der Verwaltungsrat eine hohe Verantwortung, eine Aufsicht der Politik verletze deshalb das Aktienrecht. Fördert nicht gerade diese Denkweise solche Vorfälle, wie den Riesenverlust beim EKT. Und wenn schon, warum wird hier Zellweger nicht zur Verantwortung gezogen? Unverständlich in dieser Situation auch die Aussage Zellwegers betreffend Energiedebatte und Atomausstieg: „Ich bedaure Schnellschüsse“. Zellweger hat wohl nicht mitbekommen, dass das Thurgauer Stimmvolk die Förderung von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien mit 85 Prozent Ja in der Verfassung verankert hat. Zellweger vertritt also nicht die Interessen der Thurgauer Bevölkerung. Er vertritt wie eh und je die Interessen der Stromlobby, die mit aller Kraft selbst den langfristigen Ausstieg aus dem Klumpenrisiko Atomenergie verhindern will. Vielleicht etwas verständlicher, wenn man im Anhang der Jahresrechnung AXPO liest, dass dieser Mann für sein Verwaltungsratsmandat bei AXPO über 70`000 Franken fix bezieht, Sitzungsgelder nicht inbegriffen.
Wie es scheint, hat wenigstens die neue Führung des EKT nach unseren Interventionen endlich die Zeichen der Zeit erkannt und will die Anstrengungen im Bereich Energieeffizienz und erneuerbare Energien markant verstärken. Daran führt auch kein Weg vorbei, denn wir werden diesen Weg mit allen demokratischen Mitteln unterstützen und begleiten. Wir erwarten auch vom Regierungsrat, dass er die neue Strategie des Bundesrates mit aller Kraft unterstützt und seinerseits auf kantonaler Ebene alles unternimmt, um den Umbau der Energieversorgung weiter zügig voran zu treiben. Der Kanton Thurgau kontrolliert via EKT rund 12 Prozent der AXPO. Ich erwarte vom Regierungsrat, dass er eine Persönlichkeit in den Verwaltungsrat delegiert, die die Interessen der Thurgauer Bevölkerung vertritt. Auch daran führt kein Weg vorbei.

Josef Gemperle, Kantonsrat CVP Fischingen