22.11.2013 / Allgemein / /

Gemperle fordert zügiges Umdenken

SIRNACH. Mit technischer Innovation und politischem Willen könne die Schweiz die benötigte Energie selber erzeugen, meint CVP-Kantonsrat Josef Gemperle. Vor dem Männerverein Sirnach bekräftigt er seine Überzeugung.

CHRISTOPH OKLÉ

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Die Energie ist ein Schlüsselfaktor für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung unseres Landes. Darüber hinaus nimmt die Bedeutung der Energieversorgung auch mit Bezug auf unsere Sicherheit und auf das Erdklima ständig zu. Eigentlich ist die Problematik unserer Energieversorgung, insbesondere die beschränkte Verfügbarkeit der fossilen Energien und der anderen nicht erneuerbaren Rohstoffe, schon seit Jahrzehnten bekannt. Die Thurgauer Regierung befasst sich intensiv mit Energiefragen.

Auf Einladung des Männervereins Sirnach referierte der Fischinger Landwirt und CVP-Kantonsrat Josef Gemperle am vergangenen Freitagabend im Löwensaal zum Thema «Energieeffizienz und erneuerbare Energien im Kanton Thurgau».
Ende der Rohstoffe

Der Zufall hatte es gewollt, dass just an jenem Mittag die Thurgauer Kantonsräte Post von den Parlamentsdiensten erhalten hatten. Darin befand sich unter anderem das Dossier «Strom ohne Atom», so dass die Männerrunde in den Genuss eines Primeurs kam, denn Gemperle hatte auf die schnelle noch einige Informationen daraus in seine Präsentation eingebaut.

Die Tatsache, dass die Schweiz noch zu zwei Dritteln ihres Energiebedarfs von fossilen Energieträgern abhängig sei – der weltweite Durchschnitt beträgt an die vier Fünftel, 2009 im Gesamtwert von 17 Milliarden Franken für den Endverbraucher –, müsse nachdenklich stimmen, erklärte Gemperle. Er machte darauf aufmerksam, dass die Menschheit in den vergangenen sechzig Jahren praktisch die gesamten, während Jahrmillionen entstandenen fossilen Vorräte aufgebraucht habe. Dass diese Rohstoffe aufgrund des sich rasant steigenden Energiebedarfs zu immer höheren Preisen noch in diesem Jahrhundert zur Neige gehen werden, erfordere ein zügiges Umdenken in der Energiepolitik.
Klimakatastrophen

Zu einem solchen sollte aber nicht nur die Verteuerung führen, sondern vor allem die Klimaveränderung aufgrund des CO2-Ausstosses in die Atmosphäre, der in den vergangenen vierzig Jahren zu einer Verfünffachung der CO2-Konzentration geführt hatte. Die mit grosser Wahrscheinlichkeit daraus resultierenden «Wetterkapriolen» würden nicht nur Schäden in Milliardenhöhe anrichten, sondern Tausende Menschenleben kosten. Sollte nicht ersteres Grund zum Umdenken sein, so doch zweites, mahnte Gemperle.

Technologisch seien wir durchaus in der Lage, Energiequellen ohne CO2-Belastung zu nutzen, erklärte er und nannte dabei die Sonne. Mit den auf seinem Stall montierten 1500 Quadratmetern Solarzellen kann er beispielsweise den Energiebedarf von 230 Personen decken.

Gemperle wies auf die Chance der Schweiz hin, sich mit Sonnen-, Wind- und Wasserenergie selbst zu versorgen und so von Auslandlieferungen unabhängig zu werden. «Unsere technologische Vorreiterrolle hat Tradition», betonte Josef Gemperle und wies dabei auf den Bau des ersten Gotthardtunnels und der gigantischen Staumauern hin.
Politischer Wille gefragt

Die Fähigkeiten seien da, was es noch brauche, sei nur der politische Wille zur Wende. Bezüglich Verbesserung der Energieeffizienz versteht er denn auch nicht die Weigerung der Katholischen Kirchgemeinde Fischingen, die alte Halogen- durch eine LED-Aussenbeleuchtung der Kirche zu ersetzen, um damit 28mal weniger Energie zu verbrauchen.

Dass auf Kantonsebene ein Umdenken eingesetzt habe, zeigten die 2011 mit über achtzig Prozent angenommenen Energieinitiativen. Als Fortschritt sieht er ebenfalls die Versorgungspolitik des EKT, das primär saubere Energie an die Verbraucher liefert, es sei denn, diese wünschten explizit einen minderwertigeren Mix.