08.11.2012 / Allgemein / /

Geothermie: «Go ahead!»

Besonders gross war die Freude über das Vorhaben des Regierungsrates bei Kantonsrat Josef Gemperle (CVP, Fischingen)

In zehn Jahren will der Kanton Thurgau mindestens ein Geothermiekraftwerk gebaut haben. So lautet das ehrgeizige Ziel des Regierungsrates. Dazu sieht er 16 Massnahmen vor, die er in einem Nutzungskonzept beschreibt. Der Grosse Rat bestärkte ihn gestern in diesem Bestreben. Sämtliche Fraktionen gaben grünes Licht zur Umsetzung des vorgelegten Geothermiekonzeptes. An den Kosten störte sich keiner der Redner – sie kamen gar nicht erst zur Sprache. Werden alle Massnahmen umgesetzt, hat das einmalige Kosten von 3,4 Millionen Franken und wiederkehrende von 1 Million Franken zur Folge.
Angst vor Erdbeben

Besonders gross war die Freude über das Vorhaben des Regierungsrates bei Kantonsrat Josef Gemperle (CVP, Fischingen). Er hatte das Nutzungskonzept zusammen mit seinen Fraktionskollegen Thomas Böhni und Markus Frei angestossen. «Go ahead», sagte Urs-Peter Beerli (EVP/EDU, Märstetten) in Richtung des Regierungsrates. Seine Fraktion stehe «voll und ganz» hinter dem Unterfangen. «Ich hoffe, dass die Erdbeben nicht zu erschütternd sein werden und dass die Häuser stehen bleiben», sagt Beerli und sprach damit durch Tiefenbohrungen ausgelöste Erderschütterungen in Basel an. Geologin Barbara Müller (SP, Ettenhausen) beschwichtigte: Es sei zwar unumgänglich, für die Tiefenbohrungen Gestein zu zertrümmern. Die Wahrscheinlichkeit, dass im Thurgau tatsächlich ein solches Erdbeben ausgelöst werde, sei aber klein. Basel habe einen anderen Untergrund als der Thurgau.

Wegen solcher Ängste und anderer Unsicherheiten betonten einige Kantonsräte die Bedeutung eines Kommunikationskonzeptes. Das Projekt brauche eine sehr gute Öffentlichkeitsarbeit und müsse stets transparent kommuniziert werden, sagten Renate Bruggmann (SP, Kradolf) und Toni Kappeler (GP, Münchwilen). David Blatter (SVP, Kreuzlingen) betonte, dass die SVP das vorliegende Konzept unterstütze. Seiner Meinung nach sind aber nicht alle der 16 im Bericht aufgeführten Massnahmen zwingend notwendig. Er nannte unter anderem die Risikodeckung, die schon auf Bundesebene bestehe. Vorbehalte machte Blatter auch zur Finanzierung einzelner Massnahmen. Auch Kappeler stellte die Finanzierung über den Energiefonds in Frage. Die Gelder aus dem Energiefonds würden für laufende Projekte benötigt. «Ich bitte den Regierungsrat, andere Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen.»
Kräfte bündeln

Beat Pretali (FDP, Altnau) fokussierte in seinem Votum auf die vorgeschlagene Schaffung einer kantonalen Fachstelle. Er würde ein nationales Forschungsinstitut vorziehen und forderte den Regierungsrat auf, sich für eine solche Einrichtung einzusetzen. «Der Thurgau würde sich als Standort bestens eignen.»

Kurz und bündig äusserte sich die BDP-Fraktion: «Es gibt viel zu tun – packen Sie es an», sagte Kolumban Helfenberger (Tuttwil) zum Regierungsrat. Roman Giuliani (SP, Diessenhofen) warnte, dass mit der Aussicht auf diese neue Technologie Sparbemühungen nicht abnehmen dürften.