11.01.2013 / Allgemein / /

Geothermie baut nicht auf Fracking

Das geforderte Verbot von Fracking zur Erdgasförderung hat die Thurgauer Geothermie-Szene aufgeschreckt. Sie verlangt nun, dass der Kanton «saubere» Methoden für tiefe Bohrungen definiert.

Die Diskussion um die umstrittene Fracking-Methode zur Schiefergasförderung droht die Geothermie in Mitleidenschaft zu ziehen. Denn auch für die Nutzung von Erdwärme aus grossen Tiefen könnte der Einsatz von Säuren oder anderen Stoffen nötig sein, um das Gestein poröser zu machen.

«Wir müssen aufpassen», sagt Kantonsrat Josef Gemperle (CVP), der Präsident des Vereins Geothermie Thurgau. Er fürchtet, dass ein Fracking-Verbot – unabsichtlich – die Geothermie behindern könnte. Das Thema ist im Thurgau hochaktuell. Das kantonale Elektrizitätswerk will morgen über ein Geothermie-Grossprojekt im Oberthurgau informieren. Ziel: Stromproduktion mit Energie aus dem tiefen Untergrund.
Flucht nach vorn

Gemperle und Mitstreiter haben die Flucht nach vorne angetreten und verlangen in einem politischen Vorstoss ein Gesetz für die Nutzung des tiefen Untergrunds. Der Kanton soll regeln, wie Tiefenbohrungen sauber und sicher durchgeführt werden können. Dass eine saubere Bohrung möglich ist, davon ist der Frauenfelder Experte Roland Wyss überzeugt. «Fracking im engeren Sinne kommt für die Geothermie nicht in Frage», sagt der Geschäftsstellenleiter der Schweizerischen Vereinigung für Geothermie.

Was aber in Frage kommt, ist etwa der Einsatz von Salzsäure, um das Gestein am Ende des Bohrlochs wasserdurchlässiger zu machen – um so überhaupt genug heisses Wasser hochpumpen zu können. Dies wurde 2011 erfolgreich in Schlattingen ausprobiert: Ins Bohrloch wurde 15- bis 20prozentige Salzsäure gepumpt, die mit dem Kalkgestein reagierte. Sie öffnete Poren und Klüfte.
Säure und Druck kombiniert

Diese Methode könne noch mit jener kombiniert werden, die in Basel ausprobiert worden sei, sagt Wyss. Dort wurde reines Wasser unter Druck in den Untergrund gepumpt, um den Untergrund aufzubrechen. Weil der Druck zu hoch war, kam es zu Erdstössen, wegen derer das Projekt abgebrochen werden musste.

Der Einsatz von Salzsäure bei solchen Tiefenbohrungen sei für Mensch und Umwelt unbedenklich, sagt Wyss. Die Säure reagiere mit dem Kalk und baue sich dadurch zu Salz ab. Das Wasser in den fraglichen Tiefen (Schlattingen: 1,5, Oberthurgau über 4 Kilometer) sei ohnehin viel zu salzig, als dass es zum Trinken geeignet wäre. Bei der geothermischen Nutzung käme das Tiefenwasser zudem gar nicht ins Freie. Gearbeitet wird mit einer «Doublette»; durch das eine Bohrloch wird das heisse Wasser hochgepumpt, durch ein anderes wieder zurück. Das Geothermiekraftwerk entzieht lediglich Wärmeenergie.
Welche Stoffe sind zulässig?

Der Einsatz von Salzsäure ist auch für Geologin und SP-Kantonsrätin Barbara Müller unbedenklich. Da für die Geothermie aber nicht nur Salzsäure in Frage kommt, fordert sie, dass der Kanton genau definiert, welche Stoffe zulässig sind.