25.09.2013 / Allgemein / /

Geothermie: Stillstand im Thurgau

Die abwartende Haltung des Konsortiums stösst unter Geothermie-Befürwortern auf Kritik. «Diese Leute haben den Mut verloren», sagt CVP-Kantonsrat Josef Gemperle, der auch Präsident des Vereins Geothermie Thurgau ist. Er kann nicht nachvollziehen, dass das Konsortium die Seismik-Kampagne aufschiebt. «Das ist eine Grundlagenarbeit, die man sowieso machen müsste, wenn man Geothermie will», sagt Gemperle.

Das Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau und der Stromkonzern Axpo haben die Vorbereitungen für die Erforschung des Untergrunds im Oberthurgau gestoppt. Sie wollen erst die Ergebnisse der St. Galler Geothermiebohrung abwarten.

CHRISTOF WIDMER
FRAUENFELD. Das Beben von St. Gallen verzögert die Geothermiepläne im Thurgau um ein bis zwei Jahre. Nach dem Erdstoss, der im Juli durch die Bohrung im Sittertobel ausgelöst wurde, geht das Konsortium Geothermie Thurgau auf Nummer sicher: Solange keine weiteren Erkenntnisse aus der St. Galler Bohrung auf dem Tisch liegen, will es kein Geld mehr in sein Projekt investieren. Das vom Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau (EKT) und dem Stromkonzern Axpo gegründete Geothermie-Unternehmen verzichtet vorerst auf die Seismik-Kampagne im Raum Arbon bis Sulgen, wie es gestern mitteilte.

Die seismischen Messungen geben ein genaues Bild des Untergrunds (Kasten). Die Daten würden zeigen, wo sich eine Geothermiebohrung lohnen würde. Geplant war ursprünglich, diesen Herbst mit den Messungen zu beginnen. Die Kampagne kostet acht Millionen Franken, wie EKT-Sprecherin Cécile Kessler erklärt. CEO Markus Schüpbach hatte schon Ende August zu bedenken gegeben, dass sein Unternehmen eine solche Summe nicht ohne detaillierte Analysen zum St. Galler Beben investieren könne.
Seismik wäre das Kernstück

Das Thurgauer Konsortium teilt zwar mit, dass es das Geothermieprojekt fortführe. Kernstück in der jetzigen Phase wäre aber die Seismik-Kampagne. Alle anderen laufenden Projektarbeiten seien kleinere administrative Angelegenheiten, sagt Mediensprecherin Kessler.

Die Resultate aus St. Gallen, die das EKT-Axpo-Konsortium abwarten will, betreffen nicht nur Erkenntnisse zum Beben. Bis Mitte 2014 sollte auch klar sein, ob die Bohrung tief unter dem Sittertobel auf genügend heisses Wasser gestossen ist, damit sich der Bau eines Geothermiekraftwerks überhaupt lohnt. Was mit dem Thurgauer Projekt passiert, wenn jenes in St. Gallen an diesem Punkt scheitert, ist offen. EKT-Sprecherin Kessler wollte sich gestern nicht auf die Äste heraus lassen.
«Den Mut verloren»

Die abwartende Haltung des Konsortiums stösst unter Geothermie-Befürwortern auf Kritik. «Diese Leute haben den Mut verloren», sagt CVP-Kantonsrat Josef Gemperle, der auch Präsident des Vereins Geothermie Thurgau ist. Er kann nicht nachvollziehen, dass das Konsortium die Seismik-Kampagne aufschiebt. «Das ist eine Grundlagenarbeit, die man sowieso machen müsste, wenn man Geothermie will», sagt Gemperle.

Er stösst sich daran, dass das EKT-Axpo-Konsortium sein Projekt von den St. Galler Ergebnissen abhängig machen will. «Was passiert, wenn St. Gallen ein Misserfolg wird?», fragt Gemperle. Dann komme man mit der zögerlichen Haltung im Thurgau nicht weiter. Ein Misserfolg in St. Gallen bedeute aber noch lange nicht, dass es auch im Thurgau nicht klappen würde. Ausserdem geniesse die Geothermie auch nach dem Beben in St. Gallen nach wie vor breite Abstützung. Auch darum sei es falsch, nun beim leichtesten Gegenwind mit der Seismik-Kampagne zuzuwarten, sagt Gemperle.