15.05.2011 / Allgemein / /

Gründung Verein Geothermie Thurgau

Im Thurgau sollen Geothermie-Kraftwerke gebaut werden. Das ist das Ziel des gestern gegründeten Vereins Geothermie Thurgau. Ihm gehören Politiker aller Lager, Umweltverbände und die Stromwirtschaft an.

WEINFELDEN.

Christof Widmer

Im Thurgau kann mit heutiger Technologie Strom aus Erdwärme produziert werden. Das sagt eine Potenzialstudie des Kantons. Dieses Potenzial auch zu nutzen, ist das Ziel des gestern abend gegründeten Vereins Geothermie Thurgau. Er ist so breit abgestützt, dass er tatsächlich einiges ins Rollen bringen dürfte. Im Vorstand sitzen Kantonsräte aus allen Fraktionen. SVP-Nationalrat Peter Spuhler und SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher geben dem Verein zusätzliches Gewicht. An Bord sind aber auch das EKT und der Stromkonzern Axpo, WWF und Pro Natura sowie die Industrie- und Handelskammer und der Gewerbeverband.

Als Präsident wurde CVP-Kantonsrat und Energiepolitiker Josef Gemperle gewählt. Vizepräsident ist Roland Wyss, Leiter der Geschäftsstelle der Vereinigung Geothermie Schweiz. Der Verein Geothermie Thurgau sei gedacht, um selber Projekte anzustossen, aber auch für Lobby-Arbeit, sagte Gemperle am Rand der Gründungsversammlung. Der Verein will sich dafür einsetzen, dass der Kanton gute Rahmenbedingungen für Geothermie-Kraftwerke schafft – etwa mit Risikogarantien für die teuren Bohrungen.

Erdwärme treibt Turbine an

Vor allem in der Region Arbon-Bischofszell und im Hinterthurgau ist der Untergrund für Geothermie-Kraftwerke geeignet. Dort ist in einer Tiefe von 4000 Metern mit genügend heissem Wasser zu rechnen, mit dem eine Dampfturbine angetrieben werden kann. Für ein derartiges Kraftwerk finden in St. Gallen bereits Bohrungen statt.

Das volle Potenzial könne die Geothermie aber erst entfalten, wenn die Erdwärme auch unabhängig von wasserführenden Schichten genutzt werden könne, sagte Wyss. Diese noch unerprobte Technik ist in Verruf geraten, seit ein solches Projekt in Basel unerwartet starke Erdstösse auslöste und abgebrochen werden musste.

Ein Geothermie-Kraftwerk nach St. Galler Vorbild würde etwa ein Prozent der Strommenge eines AKW produzieren. Die Technologie habe aber den Vorteil, dass sie dezentral mit vielen Werken genutzt werden könne, sagte Wyss. Das erlaubt auch eine bessere Zweitnutzung der Wärme in Fernwärmenetzen zum Heizen.

EKT will investieren

Das EKT setzt grosse Hoffnungen in Strom aus Erdwärme. Es sei Ziel des EKT, den Kernenergieanteil im Thurgauer Strommix zu reduzieren, sagte CEO Markus Schüpbach: «Das schaffen wir nur mit Geothermie.» Das EKT sei bereit, in Projekte zu investieren. Wenn nur schon der jährliche Anstieg des Stromverbrauchs von 2 Prozent mit Geothermie-Kraftwerken aufgefangen werden könnte, wäre schon viel erreicht, sagte Schüpbach der TZ. Das EKT hat die Gründung des Vereins mit einem Sonderbeitrag finanziert.

Der Geothermie-Verein Thurgau spielt eine Vorreiterrolle. Auch in Zürich ist ein Verein nach seinem Vorbild in Gründung.