14.11.2013 / Allgemein / /

Hinterthurgau will mitregieren

1996 trat Hermann Bürgi aus dem Thurgauer Regierungsrat zurück. Seither ist der Hinterthurgau nicht mehr in der Kantonsregierung vertreten. Es sei wieder einmal an der Zeit, meinen Wirtschafts- und Politikvertreter des Bezirks.

OLAF KÜHNE

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FISCHINGEN. In der Thurgauer Regierung wird ein Sitz frei. Bernhard Koch, Finanzvorstand und amtierender Regierungspräsident, legt sein Amt auf Ende Mai kommenden Jahres nieder.

Der Termin für die Ersatzwahl steht noch nicht fest. Doch bereits dreht sich das Kandidatenkarussell. Die CVP wird voraussichtlich mit nur einer Kandidatur antreten, obwohl es zurzeit nicht danach aussieht, dass eine andere Partei den vakanten Sitz angreifen möchte. Bereits haben zwei Kantonsräte ihr Interesse bekundet: Fraktionschefin Carmen Haag aus Stettfurt und Josef Gemperle aus Fischingen. Der Romanshorner Norbert Senn hat sich noch nicht entschieden.

Am 2. Dezember werden die Christdemokraten anlässlich ihrer Delegiertenversammlung in Aadorf ihre Wunschkandidatur nominieren.
Seit 18 Jahren nicht vertreten

Würde Josef Gemperle das Rennen machen, wäre der Hinterthurgau erstmals seit Hermann Bürgis Rücktritt vor bald 18 Jahren wieder im Thurgauer Regierungsrat vertreten.

Eine wünschenswerte Aussicht, sind sich die meisten Hinterthurgauer Politik- und Wirtschaftsvertreter einig.

«Der Hinterthurgau braucht wieder eine Stimme in der Regierung», sagt Barbara Müller. Sie ist Kantonsrätin und Präsidentin der SP des Bezirks Münchwilen. «Unser Bezirk hat weder eine grosse Industrie noch etwas Urbanes. Dieses ländliche Element gehört auch hinsichtlich des Landschaftsschutzes in den Regierungsrat.» Für Beat Imhof, Bezirkspräsident der Grünen, spielt die geographische Herkunft eines Regierungsmitgliedes keine besondere Rolle, wohl aber die ideologische. Das grüne Herz schlägt deshalb für den Energiepolitiker Gemperle: «Die grünen Anliegen sind im aktuellen Regierungsrat zu wenig vertreten. Josef Gemperle ist stark engagiert in Fragen der erneuerbaren und alternativen Energien. Er könnte viel bewegen.» Pragmatischer tönt es von der anderen Seite des politischen Spektrums. David Zimmermann ist Bezirksparteipräsident der SVP sowie Vorsitzender der Vereinigung der Hinterthurgauer Gemeindeammänner und sagt: «Der Sitzanspruch der CVP ist unbestritten. Welche Person kandidiert, ist aber eine innerparteiliche Angelegenheit. Wir überleben auch ohne Hinterthurgauer Regierungsrat.»
Wenig Engagement für Wil West

Nicht primär für eine Bezirksvertretung, wohl aber für eine Repräsentation seines Berufsstandes in der Kantonsregierung kann sich Köbi Hug erwärmen. Der Oberwangener ist Präsident der Hinterthurgauer Bergbauern und Vizepräsident des Verbandes Thurgauer Landwirtschaft. «Wir begrüssen Josef Gemperles Kandidatur und stärken ihm den Rücken», sagt Hug. «Er hat Grossartiges für die Klosterkirche Fischingen und für uns Bergbauern geleistet. Er ist deshalb auch Ehrenmitglied bei uns.» Myrta Klarer ist Präsidentin des Vereins Wirtschaftsraum Südthurgau. Zur Personenfrage will sie sich nicht äussern. Sie ärgert sich aber, dass der Hinterthurgau ihrer Ansicht nach durch die Kantonsregierung oft benachteiligt werde. «Wir hören oft: Ihr habt ja die Autobahn, das reicht. Aber wir haben hier beispielsweise kein kantonales Amt, und in unserem jahrelangen Kampf für die Kanti Wil wurden wir von Frauenfeld auch kaum unterstützt.» Weiter moniert Klarer, dass sich der Kanton beim Bund viel zu wenig für den Autobahnanschluss Wil West, hingegen sehr stark für die Bodensee-Thurtal-Strasse engagiere. «Man soll uns endlich wahrnehmen in der Kantonsregierung.»