17.04.2012 / Allgemein / /

In die Phalanx der SVP eindringen konnte mit 2921 Stimmen einzig das CVP-Mitglied Josef Gemperle aus Fischingen

Der Frauenanteil bei den Hinterthurgauer Vertretern im Grossen Rat hat sich mehr als halbiert, von fünf auf zwei. Die zwei Sitze entsprechen nicht mal zehn Prozent der 22 Mandate. Die meisten Kantonsräte stellt nun Eschlikon.

PHILIPP HAAG
Die Hinterthurgauer Frauen sind im Grossen Rat untervertreten, massiv untervertreten. In der nun zu Ende gehenden Legislatur stellen sie fünf Vertreterinnen: Myrta Klarer, SVP; Ruth Mettler, FDP; Isabella Stäheli, Grüne; Christa Kaufmann, CVP; und Sonja Wiesmann Schätzle, SP. Während Myrta Klarer, Ruth Mettler und Isabella Stäheli auf eine Wiederwahl verzichteten, wechselte Sonja Wiesmann Schätzle in den Bezirk Weinfelden, als sie zur Frau Gemeindeammann von Wigoltingen gewählt wurde. Als einzige übrig blieb Christa Kaufmann. Sie schaffte am Sonntag die Bestätigung klar. Zu ihr stösst Barbara Müller von der SP, welche den Einzug ins Kantonsparlament erreichte. Somit ist der Hinterthurgau noch mit zwei Frauen im Kantonsparlament vertreten. Der Frauenanteil hat sich mehr als halbiert. Er beträgt bei 22 Kantonsräten weniger als 10 Prozent.
Auf zehn Männer eine Frau

Schade, findet es Christa Kaufmann, dass die Anzahl Frauen abnimmt. 20 zu 2 sei eine grosse, zu grosse, Differenz. «Dabei wäre ein ausgeglicheneres Verhältnis zu den Männern wichtig.» Ein Grund für die tiefe Frauenquote ist, dass das weibliche Geschlecht auf einigen Listen nicht sehr zahlreich vertreten war. Christa Kaufmann hat festgestellt, dass sich junge Frauen eher für den Beruf als die Politik entscheiden. «Beides zusammen geht nicht.» Aus diesem Grund sieht sie Nachholbedarf für die Wahlen in vier Jahren. «Wir müssen am Ball bleiben», sagt sie, «denn weniger Frauen dürfen es nicht mehr werden.»

Ähnlich äussert sich Barbara Müller. Leicht frustriert habe sie am Sonntagabend registriert, dass die Hinterthurgauer Frauen nur zu zweit seien. Auch sie sieht in der Doppelbelastung Familie und Beruf einen der Gründe, weshalb sich nicht mehr Frauen zur Verfügung stellten. Barbara Müller wie auch Christa Kaufmann betonen aber, dass sie kein Problem haben, mit Männern zusammenzuarbeiten. Im Gegenteil. Mit Frauen sei es hin und wieder aber ein bisschen einfacher, fügt Christa Kaufmann noch an.
Männer vor den Frauen

Bezüglich der Stimmenzahl schafften die beiden Frauen einen Achtungserfolg. Während Christa Kaufmann 2076 Stimmen erhielt, machte Barbara Müller 1464. Beide Frauen blieben allerdings deutlich hinter den besten Männern. An der Spitze steht mit 3838 Stimmen Willy Nägeli, SVP, Oberwangen. Ihm folgt sein Sirnacher Parteikollege Kurt Baumann mit 3525. In die Phalanx der SVP eindringen konnte mit 2921 Stimmen einzig das CVP-Mitglied Josef Gemperle aus Fischingen. Die Plätze vier und fünf belegen wieder zwei SVP-Vertreter: Clemens Albrecht, Eschlikon, mit 2870 Stimmen, und Vico Zahnd, St. Margarethen, mit 2747.

Traditionell gut vertreten im Kantonsparlament sind die Hinterthurgauer Gemeindeammänner. Mit sechs Mandatsträgern – Bruno Lüscher, Aadorf; Willy Nägeli, Fischingen; Kurt Baumann, Sirnach; David Zimmermann, Braunau; Robert Meyer, Eschlikon; Roland Kuttruff, Tobel – stellen sie beinahe einen Drittel der Kantonsräte. Da Hanspeter Gantenbein, der Gemeindeammann von Wuppenau, während der Legislatur zum Bezirk Weinfelden wechselte, mit Bruno Lüscher aber derjenige aus Aadorf dazustiess, bleibt die Gemeindeammänner-Fraktion gleich gross wie bis anhin.
Die Jüngeren gestärkt

Von den Gemeinden ist Eschlikon mit fünf Kantonsräten am stärksten vertreten. Aadorf, Münchwilen und Bichelsee-Balterswil stellen je drei Vertreter, Sirnach, Fischingen und Wängi je zwei, Braunau und Tobel je einen. Durch den Rücktritt von Ruth Mettler verschwindet Wilen aus dem Kantonsparlament.

Zuwachs erhielt bei den Wahlen vom Sonntag die jüngere Generation. Bis anhin waren die beiden SVPler Vico Zahnd (Jg. 1980) und David Zimmermann (Jg. 1971) die jüngsten Kantonsräte aus dem Hinterthurgau. Nun gesellen sich Kolumban Helfenberger, Jg. 1975, BDP, und Urs Schrepfer, Jg. 1971, SVP, zu ihnen.