05.09.2015 / Allgemein / /

Interview mit den Wiler Nachrichten

Seine politischen Schwerpunkte liegen auf der Energieeffizienz und den erneuerbaren Energien und dem Schutz von Kulturland. Durch den Anstoss von CVP-Kantonsrat Josef Gemperle und einem Berufskollegen kamen diesbezüglich im Juni zwei Kulturlandinitiativen zustande. Aktuell sitzt er in der ständigen Raumplanungskommission, präsidiert nebst der Kommission zu den Stromnetzen auch die Kommission zur Vorberatung des Gesetzes über die Nutzung des Untergrunds.

 

Seine politischen Schwerpunkte liegen auf der Energieeffizienz und den erneuerbaren Energien und dem Schutz von Kulturland. Durch den Anstoss von CVP-Kantonsrat Josef Gemperle und einem Berufskollegen kamen diesbezüglich im Juni zwei Kulturlandinitiativen zustande. Aktuell sitzt er in der ständigen Raumplanungskommission, präsidiert nebst der Kommission zu den Stromnetzen auch die Kommission zur Vorberatung des Gesetzes über die Nutzung des Untergrunds.

Herr Josef Gemperle, wenn man es recht bedenkt, gehören Sie doch mehr zu den Grünen als zur CVP.

«Danke für diesen Input. In Wahrheit bin ich in gewissen Belangen vielleicht grüner als die Grünen, weil ich etwa auf Flugreisen verzichte (lacht). Nein im Ernst: Jeder sollte einen Beitrag zu einer intakten Umwelt leisten.»

Nennen Sie uns ein Beispiel?

«Nehmen wir das Beispiel Biomasse. Berechnungen zum Konzept Biomasse Thurgau haben ergeben, dass der Thurgau bei der Stromproduktion insgesamt bis 10 Prozent seines Strombedarfs durch Biomasse decken könnte. Dazu bedarf es im Bereich Biogas einiger weniger regionaler Anlagen, die auch Co-Substrate aus Industrie und Haushalten verarbeiten. Das grosse Potenzial kann aber erst genutzt werden, wenn viele kleine reine Hofdüngeranlagen Rahmenbedingungen erhalten, dass sie wirtschaftlich betrieben werden können. Eine davon planen wir nun auf unserem Hof. Wie der Name schon sagt, verwenden wir ausschliesslich Mist und Gülle, generieren dadurch also wenig Emissionen durch Anlieferungen und Wegfuhren. Zudem werden gemäss Berechnungen der Methanausstoss und der CO2-Ausstoss durch die Aufbereitung in Hofdüngeranlagen sehr stark verringert. Reine Hofdüngeranlagen sind also besonders ökologisch und haben weitere grosse Vorteile: bessere Pflanzenverträglichkeit der Gärgülle, bessere Ausnützung der Nährstoffe und die doch erhebliche Produktion von Strom und Wärme. Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse, wenn wir unsere Anlage schrittweise in Betrieb nehmen.»

Wann wird das der Fall sein?

«Am 14. September werden wir nach einem genauen Fahrplan loslegen und die Gülle täglich um 0,8 Grad erwärmen. Mitte Oktober sollte es dann mit der Gasproduktion losgehen. Können wir unser Ziel einhalten, werden wir künftig für 40 bis 50 durchschnittliche Haushalte Strom produzieren. Schon jetzt produzieren wir mit unseren Photovoltaikanlagen Strom für etwa 60 Haushalte.»

 

Erneuerbare Energien sind Ihnen ein Anliegen. Wie stehen Sie dem geplanten Bau eines Windparks in Braunau gegenüber?

«Natürlich begrüsse ich die Bereitschaft Braunaus, einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Um die Ziele für eine erneuerbare Energiezukunft zu meistern, braucht es alle erneuerbaren Technologien in einem guten Verbund und an erster Stelle viel mehr Energieeffizienz. Ich verstehe allerdings nicht, warum eine Genfer Firma diese Investitionen leisten muss. Wäre doch schön, unsere eigenen Energieversorger würden solche Investitionen tätigen. Ich hoffe sehr, dass im Fall eines Baus auch das lokale Gewerbe mit einbezogen wird.»

Hat auch Fischingen das Potenzial für einen Windpark?

«Ja, das würde ich doch meinen. Bei der Endstation des Skilifts in Oberwangen vielleicht. Was die ökologische Energieversorgung im Thurgau anbelangt, herrscht allgemein noch Nachholbedarf. Es ist mir auch ein Anliegen, die Geothermie voranzutreiben. Der Verein Geothermie Thurgau (VGTG), den ich seit 2011 präsidiere, setzt sich für die Förderung von Projekten mit Erdwärme im Thurgau ein. Der VGTG will nicht selbst Projekte realisieren, sondern die Rahmenbedingungen so verbessern, damit Pilotprojekte initiiert werden.»

Anderen, rein wirtschaftlichen Projekten wie Wil West stehen Sie eher skeptisch gegenüber.

«Natürlich, aber nicht weil ich wirtschaftliches Wachstum verhindern will. Es sind 20 Hektaren bestes Landwirtschaftsland, die wir aufgrund dieses Projekts verlieren. Zehn davon müssen sogar neu eingezont werden. Das ist der Grund, warum wir allenfalls eine kritische Interessengemeinschaft Wil West gründen werden. Dass unsere Kulturlandinitiativen Wil West verhindern wollen, wie es die Befürworter uns vorwerfen, stimmt so nicht. Es lässt sich aber nicht bestreiten, dass Wil West einige Schwachpunkte hat. Ich spreche vor allem vom massiven Verkehrsaufkommen. Es ist zudem angedacht, dass neue Firmen im Entwicklungsschwerpunkt integriert werden. Das geht auf Kosten unseres hiesigen Gewerbes. Die Wil-West-Diskussion sollte sorgfältig zu Ende geführt werden, bevor die Pläne in Stein gemeisselt sind. Am besten wäre es, wenn bei einem solchen Riesenprojekt das Volk das letzte Wort hat.»

Warum fühlen Sie sich von Wil West so direkt betroffen?

«Man muss auch das ‚Kleingedruckte‘ lesen. Der Bund fordert für solche breitflächigen Einzonungen eine Kompensation. Das heisst, diese 20 Hektaren müssten an anderen Orten ausgezont werden, was wohl in den umliegenden Landgemeinden geschehen müsste. Dieses Land könnte den einheimischen Firmen für ihr Wachstum fehlen.» Zurück zu den Nationalratswahlen.

Führen Sie einen aktiven Wahlkampf?

«Eigentlich nicht. Mir fehlt die Zeit wegen meinen vielen Engagements. Ich finde, die Arbeit eines Politikers allein sollte die Wähler überzeugen können.»

Sie betreiben allerdings eine äusserst detaillierte Homepage sowie ein öffentliches Facebook-Profil.

«Ich will eine gewisse Nähe zum Bürger schaffen. Interessiert er sich für meine Politik, soll er sich jederzeit im Detail über meine Arbeit informieren können.» Auf Ihrer Facebook-Seite ist aber auch viel Privates zu sehen. «Da habe ich lange gezögert. Letzten Endes interessieren sich die Wähler aber auch dafür, was ein Kandidat nebst der Politik noch alles macht. In meinem Fall sind das unter anderem Ausflüge auf dem EBike mit meiner Frau. Das macht den Kopf frei.»

Interview: Katja Fässler

Zur Person

Josef Gemperle ist in Fischingen aufgewachsen und hat den Bauernhof seines Vaters übernommen. 1980 besuchte er die Landwirtschaftsschule Arenenberg und erlangte 1986 das Diplom zum Meisterlandwirt. Von 1994 bis 2010 amtete er als Präsident der Kirchgemeinde Fischingen. Innerhalb dieser Funktion initiierte er die Restauration der Klosterkirche. Von 2008 bis 2012 präsidierte er die CVP Ortspartei und wurde 2004 in den Kantonsrat gewählt. 2011 kandidierte er erstmals für den Nationalrat und ist seither 1. Ersatz hinter CVP-Nationalrat Christian Lohr. 2014 kandidierte Gemperle für den Regierungsrat und positionierte sich hinter der heutigen Regierungsrätin Carmen Haag. Josef Gemperle ist verheiratet und hat vier Kinder.