01.03.2014 / Allgemein / /

Konzept Biomasse Thurgau – dezentral und nachhaltig

Die Freude ist gross. Vor fast drei Jahren habe ich den Vorstoss Konzept Biomasse Thurgau eingereicht: http://www.josef-gemperle.ch/vorstoss-konzept-biomasse-thurgau/ Vor genau zwei Jahren schaffte der Antrag die Hürde im Grossen Rat und nun liegt das Konzept vor. Ich freue mich sehr über die gelungene Arbeit und danke allen, die sich dafür engagiert haben. Jetzt gilt es die Kräfte zu bündeln und gemeinsam die Umsetzung anzugehen.

Der Thurgau will seine Biogasproduktion in den nächsten zehn Jahren vervielfachen. Ein kantonales Konzept schlägt Massnahmen vor, wie das möglich sein soll. Es setzt auf dezentrale Anlagen, um die Transportwege kurz zu halten.
CHRISTOF WIDMER

FRAUENFELD. Der Kanton will den Weg frei machen für neue Biogasanlagen. Seit Jahren kommt die Biogasproduktion aus Grüngut oder Lebensmittelabfällen im Thurgau nicht vom Fleck. Investoren zögern mit dem Bau neuer Anlagen, weil unsicher ist, wie viel Biomasse es im Kanton gibt, um daraus Biogas herzustellen. Das gestern veröffentlichte «Konzept Biomasse Thurgau» schafft nun Abhilfe.

Die verantwortliche Arbeitsgruppe kommt zum Schluss, dass von den 294 500 Tonnen Bioabfällen im Kanton nur 10 300 Tonnen in heimischen Biogasanlagen genutzt werden. Bis 2025 liessen sich weitere 48 000 Tonnen verfügbar machen.

Landwirtschaftliche Anlagen
Von Brisanz sind die Leitlinien, die die Arbeitsgruppe vorschlägt und die der Regierungsrat mitträgt: Biogasanlagen sollen dezentral sein, damit die Transportwege für die Bioabfälle kurz bleiben. Das soll zudem landwirtschaftliche Biogasanlagen fördern, die auch Gülle vergären. Die energetisch brachliegende Gülle kann nur dann wirtschaftlich zur Biogasproduktion genutzt werden, wenn ihr Bioabfälle beigegeben werden. Diese Stossrichtung ist ganz im Sinne von CVP-Kantonsrat Josef Gemperle (Fischingen), der den Anstoss zum Konzept gegeben hat. Ihm ging es auch darum, die in Weinfelden geplante Biogasanlage der Axpo zu verhindern – weil sie aus Sicht der Landwirtschaft zu viel Biomasse abgezogen hätte. «Mit diesem Konzept ist das Axpo-Projekt nicht mehr möglich», sagt Gemperle.

Ziel des Konzepts ist, dass Biomasse zuerst in Biogasanlagen vergoren und danach als Dünger genutzt wird. Das Gas soll wenn möglich gleich in Strom umgewandelt werden – die bei der Verbrennung entstehende Wärme müsste dann für Heizungen genutzt werden. Wenn nicht anders möglich, soll das Gas ins Erdgasnetz eingespeist werden.

Von den Massnahmen, die die Arbeitsgruppe vorschlägt, will die Regierung unter anderem folgende umsetzen:

• Der Kanton schafft Planungsgrundlagen, um gute Standorte für Anlagen zu zeigen. «Indem wir aufzeigen, wo die örtlich besten Potenziale für Biomasseverwertungsanlagen liegen, können wir die Verteilung steuern», sagt Regierungsrat Jakob Stark. Investoren können aber bauen, wo sie wollen. «Es gibt keine gesetzliche Grundlage zur Verhinderung unternehmerischer Fehlentscheide», sagt Stark.

• Das Abfallgesetz wird ergänzt: Grundsätze wie kurze Transportwege sollen verankert werden. • Der Kanton vereinfacht das Bewilligungsverfahren für Biogasanlagen mit einer Checkliste.

• Die Regierung will prüfen, ob der Kanton Separatsammlungen von Grüngut in den Gemeinden fördern soll. Das wäre dort sinnvoll, wo in der Nähe eine Biogasanlage gebaut wird.

• Damit Biogasproduzenten ihr Gas ins Erdgasnetz einspeisen können, sollen die Gasversorger einen bestimmten Anteil Biogas beimischen müssen. So entstehe von selbst ein Markt für Biogas, der es den Produzenten ermöglichen sollte, ihr Biogas zumindest kostendeckend zu verkaufen, sagt Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer. Dies ist ein Gegenvorschlag der Regierung zur fixen Abnahmeverpflichtung, die die Arbeitsgruppe vorschlägt. • Das kantonale Energieförderprogramm soll auf Biogasanlagen abgestimmt werden.

Regierung will Einspeisequote
Zwei Vorschläge der Arbeitsgruppe verwirft die Regierung. Sie will keine kantonale kostendeckende Einspeisevergütung für Strom aus Biogas einführen. Besser seien einmalige Anschubfinanzierungen für Biogasanlagen. Zudem will die Regierung das EKT nicht verpflichten, das Biomassekonzept aktiv umzusetzen. In diese operative Frage wolle sie sich nicht einmischen.

Es sei zwar schade, wenn das EKT nicht stärker in die Pflicht genommen werde, sagt Kantonsrat Gemperle. Er zeigte sich sonst aber geradezu begeistert über das Konzept und die Haltung der Regierung. Es sei jetzt wichtig, dass es rasch umgesetzt werde.