25.10.2014 / Allgemein / /

Nicht der Wohnort entscheidet

«Die Herkunft ist völlig zweitrangig», sagt er. «Wichtig ist Kompetenz und die Fähigkeit, die regierungsrätliche Arbeit zu erledigen.» Wenn sich die Regierungsratssitze auf Personen aus den verschiedenen Regionen des Kantons verteilen, sei das eher ein schöner Nebeneffekt als eine Notwendigkeit.

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Konkurrenten aus dem Bezirk Frauenfeld: Cornelia Komposch und Walter Hugentobler. (Bild: Reto Martin)

Beide bisher bekanntgegebenen Bewerbungen für die Nachfolge von Regierungsrat Graf-Schelling kommen von Politikern des Bezirks Frauenfeld. Diese Region könnte in der Regierung überhandnehmen. Dasselbe gilt für die Frauen.

SILVAN MEILE

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FRAUENFELD. Das Kandidatenkarussell dreht sich zugunsten der Region Frauenfeld. Drei der fünf Thurgauer Regierungsräte könnten in einem halben Jahr aus dem Bezirk Frauenfeld kommen. Denn mit den beiden SP-Kantonsräten Walter Hugentobler aus Matzingen und Cornelia Komposch aus Herdern stehen zwei Anwärter aus diesem Bezirk in den Startlöchern für den freiwerdenden Sitz des zurücktretenden Regierungsrats Claudius Graf-Schelling aus Arbon. Beide bekundeten bereits offiziell ihr Interesse am Amt. Und Edith Graf-Litscher kommt ebenfalls aus Frauenfeld. Auch die Nationalrätin überlegt sich, für den freien SP-Sitz im Thurgauer Regierungsrat zu kandidieren.

Noch vor einem Jahr war Kaspar Schläpfer der einzige Regierungsrat aus dem Bezirk Frauenfeld. Dann ersetzte die Stettfurterin Carmen Haag den Bischofszeller Bernhard Koch. Und im kommenden Jahr könnte nun mit Blick auf das Kandidatenkarussell der Sitz des Oberthurgauers Graf-Schelling ebenfalls an eine Person aus dem Bezirk Frauenfeld gehen.

Hinterthurgau steht im Abseits

Solche regionalen Verschiebungen bei der Herkunft der Regierungsräte könne es eben geben, sagt der Oberthurgauer Stephan Tobler gelassen. Der SVP-Fraktionspräsident aus Neukirch stört sich nicht daran, dass seine Region nicht mehr in der Regierung vertreten sein könnte. «Die Herkunft ist völlig zweitrangig», sagt er. «Wichtig ist Kompetenz und die Fähigkeit, die regierungsrätliche Arbeit zu erledigen.» Wenn sich die Regierungsratssitze auf Personen aus den verschiedenen Regionen des Kantons verteilen, sei das eher ein schöner Nebeneffekt als eine Notwendigkeit.

Nicht ganz so entspannt sehen das die Hinterthurgauer. Seit der Dussnanger Hermann Bürgi 1996 aus dem Regierungsrat zurücktrat, wartet der südliche Kantonsteil auf eine Vertretung in der Regierung. «Der Hinterthurgau braucht wieder eine Stimme in der Regierung», sagte etwa SP-Bezirkspräsidentin und einzige Hinterthurgauer SP-Kantonsrätin Barbara Müller vor einem Jahr, als der Fischinger Josef Gemperle sein Interesse am CVP-Regierungsratssitz bekundete. Ein Jahr später hätten es die Sozialdemokraten nun in den eigenen Händen. Bis zum 9. Dezember könnten die Bezirksparteien eigenes Personal zur Wahl vorzuschlagen. Voraussichtlich am 7. Januar nominieren sämtliche interessierten Parteimitglieder der SP eine Einerkandidatur für die Wahl in die Kantonsregierung.

Doch im Hinterthurgau, wo in dreizehn Gemeinden nur ein einziger SP-Vertreter in einem Gemeinderat einsitzt, scheint es an möglichen Kandidaten zu mangeln. «Wir sind noch im Evaluationsverfahren», sagt Barbara Müller gestern diplomatisch.

Ein Jahr lang übervertreten?

Wenn die altersbedingten Rücktritte im Thurgauer Regierungsrat im eingeschlagenen Rhythmus weitergehen, dann wird nach den Ersatzwahlen von Bernhard Koch und später Claudius Graf-Schelling in einem Jahr das Rennen um den Sitz von FDP-Regierungsrat Kaspar Schläpfer starten.

Dem FDP-Kantonalparteipräsidenten Walter Schönholzer ist bereits heute klar, dass der Wohnort möglicher Kandidaten auch dann «nur eine untergeordnete Rolle» spielen werde. «Den Thurgau bringen wir nur voran, wenn wir hervorragende und integre Persönlichkeiten in der Regierung haben», sagt er.

Falls ab dem kommenden Jahr nun tatsächlich drei der fünf Regierungsräte aus dem Bezirk Frauenfeld kommen sollten, könnte diese Konstellation jedoch nur gerade ein Jahr lang bestehen. Denn mit dem allfälligen Rücktritt von Kaspar Schläpfer würde dann bereits wieder eine Persönlichkeit aus dem Bezirk Frauenfeld die Regierung verlassen.