12.09.2011 / Allgemein / /

Porträt in der REGI

Am 23. Oktober werden der National- und Ständerat neu gewählt. REGI Die Neue stellt alle Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Hinterthurgau vor. Heute: Josef Gemperle, Kantonsrat und Nationalratskandidat der CVP, wohnhaft in Fischingen

Am 23. Oktober werden der National- und Ständerat neu gewählt. REGI Die Neue stellt alle Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Hinterthurgau vor. Heute: Josef Gemperle, Kantonsrat und Nationalratskandidat der CVP, wohnhaft in Fischingen.

Text und Bild: Andy Schindler

Fischingen – Nach fünf Minuten wird mir beim Gespräch klar: Dieser Mann hat viel Energie. Und mit Energie ist der CVP-Kantonsrat Josef Gemperle im Thurgau auch bekannt geworden. Der 51-Jährige ist seit Jahren ein Vorkämpfer für Energieeffizienz und erneuerbare Energien und hat wesentlich dazu beigetragen, dass, wie er sagt, «der Kanton Thurgau heute in der Schweiz an der Spitze bei der erneuerbaren Energie ist». Josef Gemperle ist ein Mensch, der sich Ziele setzt, sie in der Regel erreicht und manchmal selber darüber staunt. Sein Handeln sei oft idealistisch geprägt, denn «meine Ziele bringen nicht Ruhm und Ehre». Im Alter von gerade mal zwanzig Jahren übernahm er das Präsidium des Kirchenchors, der damals kurz vor dem Ende stand, und verhalf ihm zu neuem Erfolg. Während 16 Jahren war er Präsident der Kirchgemeinde und Initiant des Vereins Barockkirche Fischingen. Dabei sorgte er als Präsident der Baukommission dafür, dass die beträchtlich beschädigte Klosterkirche restauriert wurde und dies bei Kosten von acht Millionen Franken, die es dafür aufzubringen galt. Als er letztes Jahr das Amt des Kirchenpräsidenten abgab, waren alle Kosten bis auf den letzten Franken abbezahlt und dem Verein gehören heute rund 1000 Mitglieder an. Diese Zielstrebigkeit ist ein wesentlicher Teil seines Erfolgs. Sein persönliches Motto lautet: «Wer das Ziel nie aus den Augen verliert, wird es erreichen». Gemperle ist verheiratet, hat vier Kinder und ist als Landwirt in einer Betriebszweiggemeinschaft mit rund 80 Kühen tätig. Seit Generationen wohnt die Familie auf dem Bauernhof in Fischingen.

Nachholbedarf in der Energiepolitik

Josef Gemperle ist Mitglied der Christlichen Volkspartei (CVP). «Ich fühle mich wohl in dieser Partei, umso mehr als nun auch die nationale CVP in der Energiepolitik auf den Kurs der CVP Thurgau eingeschwenkt ist .» Nun will Josef Gemperle als Nationalrat nach Bern. Was reizt ihn an diesem Amt? «Ich habe meine Ziele in Fischingen erreicht und habe im Kanton Thurgau in der Energiepolitik grosse Erfolge erzielt. Beim Bund gibt es aber noch Nachholbedarf in der Energiepolitik, da kann ich viel bewegen», sagt er selbstbewusst. Und er fährt fort: «Wir müssen mittel- bis langfristig die Energieversorgung umstellen. Das ist die Zukunft und jetzt müssen wir die Ziele dafür setzen. Dafür werde ich kämpfen und das ist nicht wenig.» Gemperle ist überzeugt: «Wer es im Kanton schafft, schafft es auch beim Bund, auch wenn es etwas härter ist. Ich möchte diese Chance packen und auf gesamtschweizerischer Ebene wirken». Neben der Energiepolitik setzt sich Gemperle für einen nachhaltigen Anbau in der Landwirtschaft, die überleben soll, ein. Doch er wehrt sich gegen zu viele Einschränkungen durch den Staat: «Es braucht eine produzierende Landwirtschaft. Nachhaltigkeit bedeutet eben auch Produktion vor Ort ohne langen Transportwege mit allen negativen Folgen für Mensch und Umwelt ». Wichtig ist ihm auch der Schutz des Kulturlandes, der zuoberst stehen muss.

Für etwas kämpfen

«Man muss immer kämpfen», sagt Josef Gemperle. «Bei allem, was ich mache, muss es positiv und konstruktiv, aber bestimmt sein. Wichtig ist, dass man sich einbringt und für etwas ganz und gar kämpft». Woher nimmt er die Kraft, solche intensiven und manchmal langwierigen politischen Kämpfe zu bestreiten? Er denkt einen Moment nach und sagt dann: «Ich weiss es nicht. Ein Teil kommt sicher aus der Familie, ein Teil aus der Gemeinschaft und ein Teil ist Gottvertrauen». Da er zudem auf politischer Ebene meistens Erfolg hatte, hätte ihn dies jeweils beflügelt, weiterzumachen und ein neues Ziel in Angriff zu nehmen. Neben dieser Zielstrebigkeit und Ausdauer zeichnet ihn seine Vorbereitung bei seinen politischen Vorstössen aus. Bei Fragen rund um erneuerbare Energien hat er sich informiert, mit vielen Fachleuten gesprochen und sich so im Laufe der Zeit ein umfassendes Wissen zu diesem Thema angelegt. Das macht es für seine Gegner bei Diskussionen nicht einfach. Gemperle sagt dazu: «Ich versuche immer, eine Mehrheit zu finden und anständig zu kämpfen». Kritik nehme er ernst und akzeptiere es, wenn er auf politischer Ebene mal eine Niederlage einstecken muss. Was ihn aber ärgere, seien politische Ungerechtigkeiten sowie Filz jeglicher Art, was ihn grausam aufrege. Neben seiner Arbeit als Landwirt und seiner politischen Tätigkeit bleibt Gemperle kaum Zeit für seine Hobbys, wie das Wandern oder Fotografieren, sowie für Freunde. «Ich kenne viele Menschen, die ich schätze, aber was mir fehlt, ist Zeit, um Freundschaften zu pflegen. Das bedauere ich, aber vielleicht hat alles seine Zeit.» Wichtig ist Gemperle seine Familie. Er schätzt ein intaktes und harmonisches Umfeld und freut sich über die Unterstützung, die er erhält. «Ich glaube, dass es Fügungen gibt. Darum gehe ich zuversichtlich in den Wahlkampf».