18.12.2014 / Allgemein / /

Thurgau führt Energie-Ranking an

Das Resultat einer langen Arbeit unter Einbezug aller parlamentarischen Werkzeuge - Freude herrscht!!

Auf dem Weg zur Energiewende ist der Kanton Thurgau schweizweit an der Spitze. Das zeigt eine Studie des WWF. Als Schlusslicht taucht Appenzell Innerrhoden auf. Dort wird bemängelt, dass die Studie nur eine Momentaufnahme sei.

SILVAN MEILE

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FRAUENFELD. Der Kanton Thurgau ist mit seiner Energiepolitik ein Musterschüler. Gestern erhielt er dafür vom WWF die beste Note aller 26 Kantone. Aus einer von der Umweltorganisation in Auftrag gegebenen Studie entstand eine Rangliste sämtlicher Kantone, wie effizient diese sich in Richtung Energiewende bewegen. Vor den beiden Basel schwingt der Thurgau in diesem Ranking obenauf. Mit der Gesamtsituation aller Kantone ist der WWF allerdings nicht zufrieden.

Fördergelder nehmen ab

«Über dieses Ergebnis bin ich erfreut, aber nicht wirklich überrascht», sagt der zuständige Thurgauer Regierungsrat Kaspar Schläpfer. Als ehrgeiziger Förderer von erneuerbaren Energien und Massnahmen zur Energieeffizienz spiele der Thurgau in der energiepolitischen Champions League, fügt Schläpfer hinzu. Kein Kanton investiert in diesem Bereich pro Kopf mehr. Das generiert auch beachtliche Zustüpfe vom Bund, der die kantonalen Fördergelder jeweils fast verdoppelt. 22 Millionen Franken flossen dadurch im Jahr 2013 – dem für das Ranking massgebenden Jahr – an bewilligte Projekte im Thurgau. Im laufenden Jahr werden es noch rund 18 Millionen sein, Tendenz weiter sinkend. «Trotz leicht angezogener Bremse aufgrund des kantonalen Sparprogramms werden wir auch in den kommenden Jahren einen Spitzenplatz belegen», ist sich Schläpfer sicher.

Die Höhe an Fördergeldern ist aber nur eine der sieben für die Rangliste massgebenden Bewertungskriterien. Die maximale Punktzahl erzielte der Thurgau nebst der finanziellen Unterstützung beispielsweise auch, weil er bei eigenen Neubauprojekten konsequent einen Minergie-P-Standard einhält. Nur gerade das Minimum an Punkten erhält er hingegen im Bereich kantonaler Energievorschriften. «Wir wollen Anreize geben, nicht mit Zwang verordnen», sagt Schläpfer und spricht von einer «liberalen Thurgauer Energiepolitik». In diesem Bereich punkten etwa die beiden Basel und Genf. Dort seien die Rahmenbedingungen für die energetische Sanierung bestehender Gebäude am besten, teilt der WWF mit. Bern und Neuenburg lobt die Umweltorganisation für das Engagement gegen die «stromfressenden Elektroheizungen».

Keine Freude in Innerrhoden

Auf dem letzten Platz des Rankings ist der Kanton Appenzell Innerrhoden aufgeführt. Der Vorsteher des kantonalen Bau- und Umweltdepartements, Stefan Sutter, kann diese Rangierung nicht ganz ernst nehmen. «Wegen eines methodischen Problems», wie er sagt. Das Studienergebnis sei vom Zufall gesteuert. Weil sein Kanton 2013 im Vergleich zu den Vorjahren aufgrund auffallend weniger abgeschlossener Bauprojekte kaum Förderbeiträge ausbezahlte, sei Innerrhoden in dieser Rangliste in Hintertreffen geraten. «Das ist eine Momentaufnahme ohne Betrachtung der historischen Entwicklung», bemängelt Sutter. Würde man die pro Kopf bezahlten Fördergelder seit 2001 betrachten, wäre Innerrhoden im vorderen Viertel, etwa vor St. Gallen, ist er sich sicher: «Innerrhoden schaut auf eine lange Fördertradition zurück.» Ausserdem punkte beispielsweise der Kanton Genf, weil er Vorschriften zur Erneuerung von Ölheizungen erlassen habe, Innerrhoden gehe diesbezüglich leer aus. «Dass der Kanton Genf aber aktuell 89 Prozent Heizungen mit fossilen Brennstoffen hat, Innerrhoden nur 48 Prozent, beachtet die Studie jedoch nicht», bedauert Sutter mit Verweis auf die damit verbundenen CO2-Ausstösse.

Schliesslich unterstreicht auch der WWF, dass die Gebäudeheizungen die grössten Energieverbraucher sind. Um die Energiewende zu schaffen, müsse die Schweiz vom Erdöl und vom Gas wegkommen. Und das gelinge nicht ohne engagierte Kantone. Für die Energiewende brauche es noch mehr.