26.01.2012 / Allgemein / /

Thurgau will ohne Atom auskommen

Der Regierungsrat hat den Auftrag gefasst, ein Konzept für einen Thurgauer Strommix ohne Atom auszuarbeiten. Die Kantonsräte hiessen den entsprechenden Antrag ohne Gegenstimme gut.

Thurgau will ohne Atom auskommen

Grossratssitzung Zoom

Alle Kantonsräte standen auf, um sich für den mittelfristigen Atomausstieg auszusprechen. (Bild: Donato Caspari)

Der Regierungsrat hat den Auftrag gefasst, ein Konzept für einen Thurgauer Strommix ohne Atom auszuarbeiten. Die Kantonsräte hiessen den entsprechenden Antrag ohne Gegenstimme gut.

MARINA WINDER

WEINFELDEN. Grossratspräsident Peter Kummer hatte gestern ein ehrgeiziges Ziel: Er wollte die Energiedebatte, die aus sechs Anträgen bestand, an einem Morgen abschliessen. Kummer war fast erfolgreich: Um 12.30 Uhr waren fünf Vorstösse behandelt, pendent blieb nur die Interpellation von Regula Streckeisen, die Massnahmen zur Senkung des Stromverbrauchs fordert.

Auf grosse Zustimmung stiess der Antrag von Thomas Böhni, der unterdessen für die GLP in den Nationalrat gewählt wurde. Er fordert ein Konzept für einen Thurgauer Strommix ohne Atom, Josef Gemperle (CVP, Fischingen) vertrat seinen Antrag gestern im Parlament.

Importe möglichst vermeiden

Die Kantonsräte, die zum Antrag Böhnis das Wort ergriffen, waren alle der Meinung, dass es ein nachhaltiges, realisierbares Konzept für die Energiewende brauche. Auch stimmten sie mit seiner Ansicht überein, dass fossile Energieträger keine akzeptable Alternative darstellen würden, ebenso wenig wie Importe aus dem Ausland.

Energiepreise im Auge behalten

Am Ausstieg aus der Atomenergie führt kein Weg vorbei, sagte Gemperle. Er lobte den Regierungsrat für sein Bekenntnis zur Energiewende in seiner Antwort auf die Motion. Das sah auch Urs-Peter Beerli (EVP, Märstetten) so: «Es bleibt mittel- und langfristig nur der Weg der Energiewende.»

Kurt Engel (SVP, Schlatt) stellte Forderungen an das Konzept. Dieses müsse beispielsweise eine flächendeckende Energieversorgung rund um die Uhr sicherstellen. Zu berücksichtigen sei auch, dass im Hochlohnland Schweiz die Energiepreise im Rahmen gehalten werden müssen.

Auch Hanspeter Wehrle (FDP, Münchwilen) plädierte für einen marktwirtschaftlichen Strompreis, der auf die Nachbarländer abgestimmt ist.

SP-Kantonsrat Bernhard Wälti (Freidorf) forderte politische Rückendeckung für das kantonseigene EKT. Dieses habe letztes Jahr grosse Investitionen in die Produktion erneuerbarer Energie beschlossen.

Kann auch Chance sein

GP-Kantonsrat Toni Kappeler (Münchwilen) sagte, die Energiewende sei nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance für die heimische Industrie und das Gewerbe. Roman Giuliani (SP, Diessenhofen) erinnerte daran, dass nicht nur Konzepte für Alternativen wichtig seien, sondern vor allem auch angestrengte Sparmassnahmen.

Die zwei folgenden Motionen fanden in der Energiedebatte keine Mehrheit und weitere zwei Motionen wurden von den Verfassern zurückgezogen. Der zuständige Regierungsrat Kaspar Schläpfer sagte aber, dass die Grundanliegen dieser Vorstösse beim zu erarbeitenden Konzept berücksichtigt würden.

http://www.thurgauerzeitung.ch/ostschweiz/thurgau/kantonthurgau/tz-tg/art123841,2840893