30.04.2011 / Allgemein / /

Veranstaltung der CVP Arbeitsgruppe Landwirtschaft

Die zukünftige Ausrichtung der Landwirtschaftspolitik verunsichert die Thurgauer Bauern. Dies zeigte sich an der Veranstaltung der CVP Arbeitsgruppe Landwirtschaft in Tobel.

Weg vom Giesskannenprinzip
Die zukünftige Ausrichtung der Landwirtschaftspolitik verunsichert die Thurgauer Bauern.
Dies zeigte sich an der Veranstaltung der CVP Arbeitsgruppe Landwirtschaft in Tobel.
Text und Bild: Ruth Bossert
Tobel – Christian Hofer, Vizedirektor
beim Bundesamt für Landwirtschaft
hatte kein leichtes Spiel. Auch
wenn er in seinem Referat umfassend
auf die zukünftige Ausrichtung
der Landwirtschaftspolitik einging
und die Weiterentwicklung des Direktzahlungssystems
im Rahmen der
Agrarpolitik 2014 bis 2017 detailliert
erläuterte, zeigte sich ein Grossteil der
rund 60 anwesenden Landwirte in der
Turnhalle in Tobel nach dem Referat
und der Diskussion unsicher. Bei der
Fragerunde hiess es mehrmals, dass
sich die Landwirtschaft im Thurgau
in den vergangenen Jahren stark auf
Fleischproduktion und Tierhaltung
ausgerichtet habe und deshalb viel
Geld in tierfreundliche Stallungen investierte.
Den Vorwurf, dass diese Betriebe
geschwächt werden und sogar
bis zu einem Drittel ihrer bisherigen
Direktzahlungen verlieren könnten,
liess Hofer nicht gelten. Die Thurgauer
seien innovativ und haben sich in der
Vergangenheit als erfolgreiche Unternehmer
ausgezeichnet, deshalb glaube
er nicht, dass sie es nicht auch bei dieser
geplanten Änderung schaffen werden,
erneut zu reüssieren.
Hochrechnungen zeigen, dass die
Thurgauer Landwirtschaftsbetriebe
nach dem Wechsel ungefähr gleich
viel Direktzahlungen erhalten werden
wie bisher. Für Hofer werden im neuen
System Leistungen präziser gefördert
und unterstützt.
Am Markt orientieren
Ein Anwesender sieht in der zukünftigen
Agrarpolitik diejenigen
Landwirte, die ihren Betrieb extensiv
bewirtschaften und mit besonders naturnahen,
umwelt- oder tierfreundlichen
Produktionsformen (Bio oder integrierte
Produktion) produzieren im
Vorteil, gegenüber den grösseren Betrieben
mit Tierhaltung. «Der Landwirt
ist je länger je mehr Unternehmer
und muss sich am Markt orientieren»,
so Hofer. «Wo kein Markt besteht,
existiert auch kein Marktpreis.» Geringere
Direktzahlungen bedeute für
den Einzelnen wohl weniger Geld,
aber bei einem höheren Selbstversorgungsgrad
auch weniger Kosten, was
sich schliesslich in der Buchhaltung
wieder positiv auswirke. Hofer warnt
vor einem gegenseitigen Ausspielen
derjenigen Bauern, die ökologischer
wirtschaften und demnach höhere
Biodiversitätsbeiträge erhalten als andere.
Eine ökologisch sinnvolle Landwirtschaft
erhöhe bei der Bevölkerung
die Glaubwürdigkeit und die Legitimation
der Direktzahlungen, die auch
beim neuen System unverändert rund
2,8 Milliarden Franken betragen. Die
Vernehmlassung wurde am 23. März
gestartet und die Vorlage soll im kommenden
Jahr im Parlament behandelt
werden.
Einigkeit bei der Deklaration
Josef Gemperle, CVP Kantonsrat
und Mitorganisator des Abends verabschiedete
den Gast mit dem Wunsch,
dass die Produkteinformationen lesefreundlicher
auf die Verpackungen gedruckt
werden und dass sich das Bundesamt
für Landwirtschaft vermehrt
für den Kulturlandverlust einsetze. Im
Gegensatz zu der zukünftigen Agrarpolitik
waren sich bei diesem Anliegen
die Thurgauer Landwirte wie auch der
Vertreter aus Bern einig. n