11.02.2014 / Allgemein / /

Vier bis fünftausend neue Arbeitsplätze auf der grünen Wiese

GLOTEN. Ein Autobahnanschluss, verdichtetes Bauen und Tausende von attraktiven Arbeitsplätzen – die meisten Politiker aus dem Hinterthurgau und Wil zeigten sich begeistert vom Aggloprogramm. Doch es gibt auch kritische Stimmen.

Ein Treffen jenseits der Grenzen
Autobahnanschluss Wil West Zoom
Bei Gloten sieht der Entwicklungsschwerpunkt Wil West ein Wohn- und Arbeitsgebiet mit Anschluss an Autobahn und Eisenbahn vor. (Bild: Stefan Schaufelberger)

GLOTEN. Ein Autobahnanschluss, verdichtetes Bauen und Tausende von attraktiven Arbeitsplätzen – die meisten Politiker aus dem Hinterthurgau und Wil zeigten sich begeistert vom Aggloprogramm. Doch es gibt auch kritische Stimmen.

Das «Gartenhag-Denken» müsse aufhören, wenn man in der Zusammenarbeit Fortschritte erzielen und als eine starke (Wirtschafts-)Region mit über 100 000 Einwohnern auftreten wolle, sagt Wils Stadtpräsidentin Susanne Hartmann. Eine gemeinsame Stärke strebe schliesslich auch der Interessenverbund Regio Wil, dem 22 Gemeinden angehören, an.

Im «Hirschen» in Gloten trafen sich am Samstag Kantonsrätinnen, Kantonsräte und Gemeindeammänner des Bezirks Münchwilen mit den Kantonsräten aus der Stadt Wil sowie einigen Mitgliedern des Stadtrates, darunter eben auch Stadtpräsidentin Susanne Hartmann. Es war ein erstmaliger grösserer gemeinsamer Gedankenaustausch über die Partei- und die Kantonsgrenzen hinweg.

Regio-Idee noch nicht verankert
Generell gehe in der Region vieles «über Beziehungen und Gespräche», weshalb man nicht nur unter Politikern, sondern auch oft mit der Bevölkerung das Gespräch suchen müsse. Und doch sei die Kantonsgrenze oft ein negativer Faktor, der vieles erschwere, denn «wenn wir Gemeinden eine gute Idee haben, dann heisst das noch lange nicht, dass dies eine Ebene weiter oben genauso gesehen wird», weiss Hartmann. Einen «klaren Nachholbedarf» habe man noch, wenn es darum gehe, die Idee einer Region Wil in den Köpfen der Bevölkerung zu verankern. «Ich musste im letzten Jahr feststellen, dass die Regio Wil zwar eine gute Arbeit leistet, aber die Idee einer Regio bei den Menschen noch überhaupt nicht angekommen ist. Sie ist ein völlig abstraktes Gebilde. Aber das war sie – ehrlich gesagt – für mich auch, bevor ich Stadtpräsidentin wurde», so Hartmann.

Auch der Münchwiler FDP-Kantonsrat und Vorsitzende der Hinterthurgauer Politapéro-Gruppe, Hanspeter Wehrle, fand deutliche Worte: «Ich persönlich habe den Eindruck, dass jeder nach wie vor für sich denkt. Doch das muss aufhören, wenn wir eine schlagkräftige Region werden wollen, welche tatsächlich Pflöcke einschlagen kann, welche uns als Ganzes weiterbringt.» Die Zusammenarbeit über Grenzen sei gerade dann auch wichtig, wenn mal wo das Geld knapp wird und Projekte wie das Aggloprogramm gerade aus monetären Gründen die eine oder andere Zurückstufung bei den Teilprojekten erführen. «Ich hoffe, dass dieses Treffen uns einen Schubs fürs Miteinander gibt», so Wehrle.

Nicht geschlagen geben
Sirnachs Gemeindeammann Kurt Baumann fasste nochmals die Ergebnisse des Prüfberichtes des zweiten Aggloprogramms zusammen. Es sei sehr erfreulich, dass der Bund den «roten Faden» erkannt habe, welcher dem Programm zugrunde liege, und deshalb auch für die A-Massnahmen eine Beteiligung von 40 Prozent zugesichert habe. Nicht zufrieden sei man mit dem Fakt, dass der Entwicklungsschwerpunkt Wil-West von einer A- zu einer C-Massnahme heruntergestuft wurde. «Da geben wir uns noch nicht geschlagen. Wir haben beantragt, dass der Entwicklungsschwerpunkt mindestens als B-Massnahme aufgenommen wird.»

Nicht alles Grüne verbauen
Gerade dieser Entwicklungsschwerpunkt Wil-West sorgte aber auch für konträre Meinungen. Denn so willkommen im Grundsatz eine Kombination von einem qualitativen und verdichteten Wohn- und Arbeitsgebiet samt Anbindung an die Frauenfeld-Wil-Bahn auch sei, so sei dies doch auch «ein weiterer Bau auf der grünen Wiese», gab Josef Gemperle (CVP, Fischingen) zu bedenken. Es gehe ihm nicht darum, die wirtschaftliche Entwicklung zu behindern, aber «die Leute, die kommen, brauchen auch noch mehr Land. Es wird so kommen, dass Wil und Sirnach komplett zusammenwachsen. Ich will davor warnen, immer wieder neues Land einzuzonen.»