15.05.2011 / Allgemein / /

Welchen Strom zu welchem Preis? Podium zu Energiefragen in Amriswil

Welche Energie soll man fördern, und ist ein Ausstieg aus dem Atomstrom möglich? Wie kann man Strom sparen? Fachleute diskutierten an einem Podium der CVP diese Fragen.

AMRISWIL. Welche Energie soll man fördern, und ist ein Ausstieg aus dem Atomstrom möglich? Wie kann man Strom sparen? Fachleute diskutierten an einem Podium der CVP diese Fragen.

Hugo Berger

Rund 40 Personen besuchten das Podiumsgespräch im Kirchgemeindehaus zum Thema «Welchen Strom zu welchem Preis?» Dazu eingeladen hatte die CVP-Bezirkspartei; die Moderation übernahm Stadtrat André Schlatter.

Strom aus der Tiefe

Hansjörg Grob stellte das Geothermie-Projekt vor, das derzeit auf seinem Betrieb in Schlattingen (Gemüse- und Landbau) realisiert wird. Mit einer 1500 Meter tiefen Bohrung will er herausfinden, ob im Untergrund genug heisses Wasser ist, um seine Gewächshäuser zu heizen. Gelingt das Projekt, könne er bis zu 1,5 Millionen Liter Öl einsparen.

Der Unternehmer rechnet mit Gesamtkosten von sechs bis sieben Millionen Franken. Der Kanton beteiligt sich mit einer Risikodeckung von zwei Millionen Franken am Projekt. Lieber würde er den Strom von einem Anbieter beziehen, als ihn selbst herzustellen, auch habe er keinen Partner gefunden, beklagte Hansjörg Grob.

Keine «Risikoprojekte»

Auf die Frage warum das Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau (EKT) Projekte wie jenes in Schlattingen nicht fördere, antwortete Markus Schüpbach, das EKT gehöre dem Kanton Thurgau und könne somit nicht derartige «Risikoprojekte» realisieren. Ausserdem beteilige sich der Kanton ja mit der Risikodeckung.

Zum Atomstrom führte der CEO des EKT aus, ein schneller Ausstieg sei angesichts des ständig zunehmenden Stromverbrauchs nicht möglich. Wenn alle derzeit zur Prüfung vorliegenden Alternativen bewilligt würden, könnten diese nur gerade 10 Prozent des Verbrauchs decken. Das EKT bemühe sich seit Jahren für eine intelligente Stromnutzung, dazu gehöre auch das Sparen.

Hoher Anteil Atomstrom

Für eine «sparsame und effiziente Energieverwendung» engagiert sich auch Josef Gemperle, CVP-Kantonsrat und Initiant der Verfassungsänderung über erneuerbare Energie, welche am 15. Mai zur Abstimmung gelangt. Der Thurgau habe mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil von 80 Prozent Atomstrom ein «Klumpenrisiko», das es zu beseitigen gelte, so seine Feststellung. Ein grosses Sparpotenzial liege in der Isolation der privaten Häuser, aber auch der Industriebauten. Der Preis für den Strom sei im Moment tief, aber er dürfe weder subventioniert noch künstlich erhöht werden.

In der anschliessenden offenen Diskussion sagte Karl Spiess, Leiter der Technischen Betriebe Amriswil, ein grosses Sparpotenzial liege in der Aufklärungsarbeit in den Schulen. Den Jugendlichen fehle das Bewusstsein für den haushälterischen Umgang mit Energie.