28.04.2015 / Allgemein / /

WOHNRAUM FÜR 240 000 EINWOHNER ZUSÄTZLICH ohne einen m2 neue Bauzone!

Mit verdichteter Bauweise böte die Ostschweiz Wohnraum für 240 000 Einwohner zusätzlich. Potenzial ortet das Beratungsunternehmen Wüest & Partner in Zentren und Agglomerationen. Optimale Verdichtung müsse nicht heissen, dass man enger zusammenleben müsste, sagt Weinert. «Die Lebensqualität sollte erhalten bleiben.»

Mit verdichteter Bauweise böte die Ostschweiz Wohnraum für 240 000 Einwohner zusätzlich. Potenzial ortet das Beratungsunternehmen Wüest & Partner in Zentren und Agglomerationen.

KASPAR ENZ

In den Bauzonen der Schweiz wäre Platz genug für 2,85 Millionen zusätzliche Einwohner und 2,1 Millionen Beschäftigte, wenn die Fläche optimal ausgenutzt würde. Das stellt das Beratungsunternehmen Wüest & Partner im neusten Immo-Monitoring fest. Damit könnten in der Schweiz 11,2 Millionen Menschen leben, 1,06 Millionen davon in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und den beiden Appenzell. Würden die bestehenden Siedlungsgebiete und die Baulandreserven optimal verdichtet, böte die Ostschweiz Platz für zusätzlich 240 000 Einwohner.

Lebensqualität erhalten

«Das Verdichtungspotenzial ist keine Bevölkerungsprognose», stellt Robert Weinert, Ökonom bei Wüest & Partner klar. «Wir fragten uns, was in den bestehenden Bauzonen möglich wäre.» Als Grundlage für das Modell nahm Wüest & Partner die aktuelle Bevölkerung und Zahl der Arbeitsplätze sowie die Siedlungsfläche, die diese heute brauchen. Optimale Verdichtung müsse nicht heissen, dass man enger zusammenleben müsste, sagt Weinert. «Die Lebensqualität sollte erhalten bleiben.» Dann teilt das Modell die Gemeinden in zwölf Kategorien mit ihren typischen Zonenordnungen ein – von Tourismusgemeinden und landwirtschaftlich geprägten Orten über Agglomerationsgemeinden bis zu Grosszentren. Ausgehend von der bestehenden Raumnutzerdichte und den vorhandenen Bauzonen wurde berechnet, wie viel Wohn- und Arbeitsraum mit Verdichtung erreichbar wäre.

Gesucht wurde aber nicht eine maximale Verdichtung, sondern eine optimale. Deshalb spielen auch Faktoren wie die Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr eine Rolle. «Es bringt nichts, wenn man in ländlichen Gemeinden wie Urnäsch verdichtet», sagt Robert Weinert. Denn das hätte hohe Kosten zur Folge. «In einer Mittelstadt wie St. Gallen macht Verdichtung mehr Sinn.»

Auch deshalb ist das Verdichtungspotenzial in der Ostschweiz unter dem Durchschnitt: Mit optimaler Verdichtung bietet sie Platz für 29,3 Prozent mehr Einwohner. Der gesamtschweizerische Wert liegt bei 37 Prozent. Nach dem Modell ist das Rheintal die Ostschweizer Region mit dem höchsten Verdichtungspotenzial: 41 Prozent oder zusätzlich über 25 000 Menschen könnten hier in bestehenden Bauzonen zusätzlich wohnen. Ebenfalls hohe Potenziale weisen die Region Untersee und der Thurgau auf. Einerseits deshalb, weil hier noch Baulandreserven vorhanden sind, andererseits, weil die Regionalzentren und Agglomerationsgemeinden dieser Regionen gut an den öffentlichen Verkehr angebunden sind. Das tiefste Potenzial ortet Wüest & Partner im Linthgebiet und in Ausserrhoden – das hat auch mit der Topographie zu tun. An Hanglagen ist es schwieriger, verdichtet zu bauen.

Weg mit Hindernissen

Etwas über die Hälfte der zusätzlich möglichen Bevölkerung der Ostschweiz fände auf noch nicht bebautem Bauland Platz, der Rest in bereits bebautem Gebiet. Allerdings sei diese innere Verdichtung nicht immer leicht zu erreichen, sagt Robert Weinert. «Nötig wären Aufstockungen bestehender Gebäude, Um- und Anbauten sowie Ersatzneubauten, insbesondere auf Parzellen mit viel Umschwung», sagt er. Im Weg stünden oft kleine Parzellierungen. Hohe Potenziale böten hingegen Entwicklungsgebiete und Industriebrachen, die es auch in der Ostschweiz gibt.