21.11.2014 / Allgemein / /

Zersiedelung im Thurgau stoppen

Obwohl die Probleme erkannt seien, schreite die Zersiedelung im Thurgau weiter voran. "Mit Zwillings-Initiativen wollen wir Druck machen und endlich den Verschleiss von Kulturland stoppen", sagte Josef Gemperle vom Kulturland-Initiativkomitee am Donnerstag.

Thurgauer Zeitung, 20. November 2014, 15:27 Uhr

Zersiedelung im Thurgau stoppen

Zoom

Das Grün als Kapital im Kanton Thurgau: Allzu starkes Bauen und Zersiedelung sollen verhindert werden. (Bild: Nana do Carmo)

FRAUENFELD. Obwohl die Probleme erkannt seien, schreite die Zersiedelung im Thurgau weiter voran. „Mit Zwillings-Initiativen wollen wir Druck machen und endlich den Verschleiss von Kulturland stoppen“, sagte Josef Gemperle vom Kulturland-Initiativkomitee am Donnerstag.

    Artikel weiterempfehlen
  • Facebook

Seit Jahren arbeite man beim Bund, bei den Kantonen und Gemeinden an einer griffigen Raumplanung. Trotzdem werde in der Schweiz jede Sekunde ein Quadratmeter fruchtbares Land überbaut, die Zersiedelung schreite unaufhaltsam voran. „Täglich wird neues Kulturland geopfert. Das muss aufhören“, sagte Josef Gemperle, CVP-Kantonsrat, Bauer und Mitglied im Präsidium des Initiativkommitees „Ja zu einer intakten Thurgauer Kulturlandschaft“.

Kanton und Gemeinden sollen zur haushälterischen Nutzung des Bodens verpflichtet werden. Damit das Volk auf jeden Fall mitreden könne, lanciere das Komitee bewusst Zwillingsinitiativen, das heisst eine Verfassungsinitiative und eine Gesetzesinitiative. Die Initiativen werden unterstützt von den Umweltverbänden, BDP, EVP und GLP und der Grünen Partei. „Wir sind überzeugt, dass wir die 4000 Unterschriften problemlos zusammen bekommen“, sagte Gemperle.

Rigider Schutz
Das noch vorhandene Nichtsiedlungsgebiet im Kanton Thurgau müsse rigide geschützt werden, sagen die Initianten und wollen das Thurgauer Baugesetz, das seit Anfang 2013 in Kraft ist, verschärfen. Neue Baugebiete sollen in Zukunft nur noch ausgeschieden werden dürfen, wenn die gleiche Fläche ausgezont wird oder wenn das Bauvorhaben von öffentlichem Interesse ist.

Das Durchsetzen einer nachhaltigen Raumplanung erweise sich als extrem schwierig. Gemäss heutiger Praxis sei es immer noch am einfachsten und billigsten, auf der grünen Wiese zu bauen. Viele Bauparzellen und Neubauten würden nur sehr schlecht ausgenützt, weil Baubehörden die maximale Ausnützungsziffer zu restriktiv anwendeten.

Die Initiativen wollen eine hochwertige Siedlungsentwicklung nach innen. Eine bessere Ausnützung bestehender Gebäude und eingezonter Baulandparzellen müsse zum Normalfall werden. „Wir wollen, dass Schluss ist mit riesigen, einstöckigen Ladenprojekten an der Peripherie“, sagte Gemperle.

Volk will Zersiedelung stoppen
Die Schweizer Bevölkerung wolle die fortschreitende Zersiedelung stoppen, wie die Abstimmungen zum neuen Raumplanungsgesetz, zur Zweitwohnungsinitiative oder zur Kulturlandinitiative im Kanton Zürich gezeigt hätten. „Zwischen dem Willen und der Umsetzung gibt es aber einen grossen Widerspruch“, sagte Toni Kappeler, Präsident von Pro Natura Thurgau und Kantonsrat der Grünen Partei.

Bis die Kantone ihre Richtplanung überarbeitet hätten, gebe es ein Moratorium, sagte Andreas Guhl, BDP-Kantonsrat und Landwirt. Danach würden die Bauzonen so festgesetzt, dass sie dem voraussichtlichen Bedarf von 15 Jahren entsprechen. „Nach geltendem Recht wären Einzonungen danach jedoch wieder problemlos möglich“, sagte Guhl.

Wirtschaft nicht behindern
Ziel der Initiativen sei, die landwirtschaftliche Nutzfläche vor Überbauung zu schützen. Dieses Ziel soll mit einer qualitativ hochstehenden Entwicklung nach innen und einer optimalen Nutzung bestehender Baulandparzellen erreicht werden.

Es gehe nicht darum, eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung zu unterbinden, sagte Alex Frei, CVP-Kantonsrat und Rechtsanwalt. Kanton und Gemeinden müssten Massnahmen treffen, um die Qualität des Siedlungsgebietes zu verbessern. Im Thurgau gebe es 1248 Hektaren (Baulücken und Brachen) innerhalb der Bauzonen, die noch nicht überbaut seien. (sda)