04.05.2017 / Fischingen / /

Pater Meinrad Loser, OSB, Fischingen 04.07.1948 – 26.04.2017 Z U M A B S C H I E D

Wann waren letztmals so viele Menschen versammelt in der Kirche Fischingen? Wann hat der Volksgesang in der Kirche letztmals so raumfüllend getönt? Ich weiss es nicht, aber wir sind alle tief berührt von der grossen Anteilnahme aus nah und fern an der Abschieds- und Trauerfeier heute in der Kloster- und Pfarrkirche Fischingen! Herzlichen Dank! P. Meinrad hat sein Leben ganz in den Dienst der Mitmenschen gestellt. Er hat die Menschen in Freud und Leid begleitet, sich mit ihnen herzlich gefreut, sie getröstet. Von ihm Abschied zu nehmen, fällt uns allen schwer. Aber wir sind unendlich dankbar, für alles was er uns gegeben hat und für alles, was er uns war: ein begnadeter Seelsorger, ein guter Freund, ein feiner Mensch! Meinrad, du hast uns allen sehr viel bedeutet. Wir werden dich nicht vergessen. Danke herzlich, lieber Meinrad!

Danke, dass ich die Würdigungs- und Abschiedsworte am Schluss der Feier halten durfte! Hier der ganze Text:

Pater Meinrad Loser, OSB

04.07.1948 – 26.04.2017

Tief betroffen, aber auch sehr dankbar für alles, was er uns gegeben hat und was er für uns war, nehmen wir Abschied von Pater Meinrad Loser!
Wenn ich an meine Jugend zurückdenke, dann erinnere ich mich gerne an einen jungen Studenten, der während der Ferien des Briefträgers dessen Aufgabe übernommen hat und mit dem Velo das Dorf Fischingen und seine abgelegenen Höfe mit der Post belieferte. Meinrad, der Bauernsohn aus Fischingen besuchte nach seiner KV- Lehre die Mittelschulen in Gossau und Ebikon. Nach der Matura studierte er in Freiburg und trat in Engelberg ins Kloster ein. 1979 trat er in die inzwischen selbständige Benediktinergemeinschaft in Fischingen ein, wo er am 10. Oktober mit seinem Taufnamen Meinrad die feierliche Profess ablegte. 1981 wurde Pater Meinrad zum Priester geweiht und bald schon übernahm er vom damaligen Pfarrer und Prior Pater Florin mit viel Herz und Engagement den Religionsunterricht und die Jugendarbeit. 1988 wurde er Pfarrer von Fischingen und Au. Typisch für ihn hatte er anfänglich Bedenken, als gebürtiger Fischinger in Fischingen als Seelsorger, als Prophet im eigenen Land, tätig zu sein. Für uns alle war seine Wahl aber ein grosses Glück!

Meinrad war ein feiner Mensch und später in seinem Amt als Pfarrer ein begnadeter Seelsorger. Er hat seinen Beruf – oder vielmehr seine Berufung – mit grosser Leidenschaft ausgeübt.
So geht auch mein Engagement in der Kirchgemeinde und für die Barockkirche Fischingen im Wesentlichen auf das Wirken von Meinrad zurück. Diese gemeinsamen Jahre in der Kirchgemeinde Fischingen und die enge, freundschaftliche Zusammenarbeit mit Meinrad haben so auch zwei Jahrzehnte meines Lebens geprägt. Es war für mich wichtig, Meinrad mit meinen Möglichkeiten und meinen Fähigkeiten dort zu unterstützen, wo ich das konnte. Zum Beispiel bei der Restaurierung der Klosterkirche, wo die liturgischen Orte nach dem Wunsch von Meinrad neugestaltet wurden. Ein wichtiges Anliegen war ihm, den Hauptaltar vor dem Gitter zu platzieren, um damit auch beim Feiern der Eucharistie näher bei den Menschen zu sein. Meinrad hat in einem Interview einmal gesagt: «Das Resultat der Restaurierung der wundervollen Barockkirche Fischingen entspricht dem, was ich mir am Anfang erhofft hatte»! Als Präsident der Baukommission freute ich mich gemeinsam mit Meinrad riesig über das Resultat der Restaurierungsarbeiten. Sehr viele Menschen haben dazu ihr Bestes gegeben und die Neusegnung durch Bischof Kurt Koch wurde für uns alle zu einem Höhepunkt.
Diese wunderbare Klosterkirche, Ort zum Beten und Feiern, Ort zum Kraft tanken, Ort um Gemeinschaft zu spüren und Gemeinschaft zu erleben. Gemeinschaft leben und erleben, das war Meinrad wichtig. Er lebte das ehrlich und echt. Das Leben in der klösterlichen Gemeinschaft bedeutete ihm sehr viel. Er war im Kloster wirklich daheim. An dieser Stelle ein grosser Dank an seine Mitbrüder im Kloster, allen voran an Prior Pater Gregor, für ihre fürsorgliche Begleitung über alle diese Jahre und besonders auch während der langen Leidenszeit von Meinrad.

Gemeinschaft lebte Meinrad auch im Zusammensein und Feiern mit seiner Familie, mit Verwandten und Freunden. Diese Anlässe genoss er sehr. Oft schwärmte er z. B. von den Töfffahrten mit seinem Bruder Hans. Er lebte die Gemeinschaft mit den Jugendlichen, nahm aktiv teil an den JUBLA- Lagern und anderen Aktivitäten. Auch auf jede Ministrantenreise freute sich Meinrad, besonders wenn der Ausflug in den Europapark führte und er dort natürlich keine Bahn ausliess. Er begleitete seinen Kirchenchor auf die Reisen, er schätzte die unterstützende Arbeit der Frauengemeinschaft und so war natürlich klar, dass er als Mitglied der Frauengemeinschaft auch jedes Jahr eine andere stille Freundin hatte.
Gemeinschaft zu leben, bedeutete für ihn auch, offen zu sein gegenüber anderen. Ökumene war für ihn nicht nur ein Wort, sondern eine Haltung. Er sah immer das Verbindende und lebte danach.

1988 – 2010 war Meinrad Pfarrer von Fischingen und Au. Insgesamt aber hat Meinrad während 30 Jahren im kirchlichen Dienst Gott und seinen Mitmenschen gedient. Er hat in dieser Zeit unbeschreiblich viel gearbeitet und bewegt. Als Pfarrer, der immer sehr nahe bei den Leuten war, der immer ein offenes Ohr und ein offenes Herz für die Mitmenschen hatte. Er war da für die ganze Region, den Thurgau und auch angrenzende Teile von Zürich und St. Gallen.
Jahrelang hat er die Gottesdienste an den Erstkommunion- und Firmwochenenden im damaligen Bildungshaus des Klosters gefeiert und er war Präses der JUBLA Thurgau.
Die Arbeit mit den Jugendlichen, die Meinrad immer viel Freude gemacht hat, hat ihn sicher auch geprägt. Sein Handeln war von jugendlichem Schwung, sein Denken war immer auch bestimmt von einer dynamischen Frische.
P. Meinrad hat über 350 Paare verheiratet und unzählbar viele Taufen gespendet. Trotz der grossen Zahl hat er jede Trauung ganz persönlich gestaltet. Auf jedes Paar ist er ganz persönlich eingegangen und hat allen Paaren über viele Jahre danach noch zu jedem Hochzeitstag persönliche Grüsse geschrieben.
Die Verkündigung war eine weitere grosse Stärke von Meinrad. Er legte Wert darauf, dass er den verschiedenen Ansprüchen nach unterschiedlichen Gottesdienstformen gerecht werden konnte. Ihm war es z. B. wichtig, immer wieder auch Familiengottesdienste zu gestalten, die Vereine und die Familien mit den Kindern in gottesdienstliche Feiern einzubinden. Die freundschaftliche Zusammenarbeit und das Einbeziehen aller Gruppierungen waren ihm wichtiger als das sture Einhalten von liturgischen Vorgaben.

P. Meinrad hat sein Leben ganz in den Dienst der Mitmenschen gestellt. Er hat die Menschen in Freud und Leid begleitet, sich mit ihnen herzlich gefreut, sie getröstet. Von ihm Abschied zu nehmen, fällt uns allen schwer. Aber wir sind unendlich dankbar, für alles was er uns gegeben hat und für alles, was er uns war: ein begnadeter Seelsorger, ein guter Freund, ein feiner Mensch!

Meinrad, du hast uns allen sehr viel bedeutet. Wir werden dich nicht vergessen.
Danke herzlich, lieber Meinrad!

Foto: Pater Meinrad Loser Erstkommunionfeier 2004 in Fischingen.