19.03.2016 / Klima- und Energiepolitik / /

Blumen für den Energieminister

Ich freue mich sehr über diese Ehrung unseres bald abtretenden "Energieministers" RR Kaspar Schläpfer und ich danke ihm herzlich für seinen Einsatz. Kaspar Schläpfer hat diese Ehrung sehr verdient! 12 Jahre durfte ich diese Arbeit mit meinen/unseren Vorstössen begleiten, unterstützen und vorantreiben. Sehr gut erinnere ich mich an den im Bericht erwähnten Vorstoss (es war mein erster als noch unerfahrener Kantonsrat) zur Erstellung eines Konzeptes für mehr Energieeffizienz und erneuerbare Energien, den unser Rat gegen den Willen der Regierung mit grossem Mehr unterstützte und überwies. Mit diesem wegweisenden Entscheid legte der Grosse Rat das Fundament für eine immer noch andauernde Thurgauer Erfolgsgeschichte! Meine Hoffnung ist gross und wohl auch berechtigt, dass der oder die in Kürze bestimmte neue zuständige RR diese erfolgreiche Arbeit mit viel Engagement weiterführen wird. Danke Kaspar Schläpfer für diese jahrelange sehr gute Zusammenarbeit!

Blumen für den Energieminister

Auf Abschiedstour: Regierungsrat Kaspar Schläpfer mit Susanne Neuenschwander von der Abteilung Energie des Kantons.Zoom

Auf Abschiedstour: Regierungsrat Kaspar Schläpfer mit Susanne Neuenschwander von der Abteilung Energie des Kantons. (Bild: Andrea Stalder)

Am Energieapéro Thurgau gab es für den Ende Mai abtretenden Regierungsrat Kaspar Schläpfer richtige Blumen, aber auch zahlreiche verbale: Er habe energiepolitisch viel bewegt und den Thurgau zum Vorbild für andere Kantone gemacht.

CHRISTIAN KAMM

WEINFELDEN. Für seinen letzten Auftritt als Thurgauer Energieminister hatte Kaspar Schläpfer die ganz grosse Bühne: Im «Thurgauerhof» in Weinfelden bilanzierte er vor der versammelten kantonalen Fachwelt seine fast 14 Jahre als oberster Verantwortlicher für die Energiepolitik des Kantons.

«14 Jahre Mut gemacht»

Dass Schläpfer dabei auch in den Augen der Energiefachleute vieles richtig gemacht hat, stellte deren Präsident Peter Dransfeld klar. «Er hat uns 14 Jahre Mut gemacht und politischen Rückhalt gegeben», würdigte Dransfeld den abtretenden Energiedirektor. Kaspar Schläpfer sei es gelungen, die Thurgauer Energiepolitik aus dem Links-Rechts-Denken zu befreien.

Als «sehr offen gegenüber Neuem» charakterisierte Andrea Paoli, Leiter der Abteilung Energie im Volkswirtschaftsdepartement, Regierungsrat Schläpfer. «Er hat viel bewegt.» Der Thurgau betreibe eine zukunftsgerichtete Energiepolitik und sei ein Vorbild für andere.

Von allen mitgetragen

Schläpfer liess in seiner Abschiedsrede vor den Energiefachleuten vor allem Zahlen für sich sprechen. Mit dem 2003 aufgegleisten Energieförderprogramm können über die gesamte Lebensdauer der Massnahmen rund 1,185 Milliarden Liter Erdöläquivalent eingespart werden. Oder anders ausgedrückt: Ein Güterzug mit 316 Kilometern Länge. Der Kanton habe für 72 Mio. Franken Förderbeiträge gesprochen und der Bund noch 68 Mio. dazugelegt. Unter dem Strich seien so Investitionen von 950 Mio. Franken ausgelöst worden. Was Schläpfer in all den Jahren besonders freute: «Diese Politik ist von allen Lagern mitgetragen worden.»

Controlling in Vorbereitung

Auch das unter Schläpfers Ägide 2007 lancierte Konzept für die verstärkte Förderung erneuerbarer Energien und der Energieeffizienz ist immer noch gültig. Mit ihm wurden im Thurgau unter anderem die so genannten MuKEn, die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich, umgesetzt. Vor allem im Gebäudebereich habe man eine sehr grosse Wirkung erzielt, denn beim Beheizen der Gebäude falle rund die Hälfte des Energieverbrauchs an, erinnerte Schläpfer. Gegenwärtig bereite der Kanton ein Auswertung des Konzepts vor.

Kanton hat Vorbildfunktion

Für den abtretenden Regierungsrat führt kein Weg an der Energieeffizienz und den erneuerbaren Energien vorbei. Den Kanton selber sieht er durchaus in einer Vorbildfunktion. Bei kantonalen Neubauten gilt im Thurgau der Minergie-P-Standard und bei Sanierungen mindestens Minergie-Standard. Zudem werden Fernwärmeverbünde genutzt, Photovoltaikanlagen auf Kantonsbauten installiert und einheimisches Holz als Brennstoff verwendet. Was die Gebäudehüllen betrifft, hat der Thurgau schweizweit die Nase vorne. In keinem anderen Kanton ist der Anteil der Minergie-Gebäude pro 1000 Einwohner so hoch. Schläpfer: «Darauf sind wir stolz. Und wir haben ein tolles Know-how.»

Geothermie und Windkraft

Und wie geht es mit der Thurgauer Energiepolitik nach Kaspar Schläpfer weiter? Er selber glaubt ungebrochen an die Zukunft der Geothermie. Obwohl es einige Rückschläge gegeben habe und die Strompreise tief seien. «Ich hoffe, dass es möglichst bald wieder Erfolgsmeldungen geben wird.»

Auch die Windenergie habe Potenzial im Thurgau. Wenn man die acht besten Standorte für Windkraftanlagen nutzen würde, könnten 10 bis 15 Prozent des kantonalen Strombedarfs gedeckt werden, rechnete Schläpfer vor. «Das wäre eine Chance für unserer Region.»