07.02.2017 / Klima- und Energiepolitik / /

Bravo Matzingen! Vorbildlich und zur Nachahmung bestens empfohlen!!

Landi rückt näher zur Sonne

MATZINGEN ⋅ Die Genossenschafter planen einen Solar-Carport mit integrierter Schnellladestation. Damit wollen sie sich als Pioniere für die Zukunft rüsten, als Risiko betrachten sie die Investition nicht.

07. Februar 2017, 07:42
Samuel Koch

In ihren Köpfen geistert eine Vision, die schon bald Realität werden soll. In Zukunft sollen die Kunden der Landi Matzingen nicht mehr nur Benzin oder Diesel tanken, sondern auch Strom für ihre Elektroautos. Dafür rüsten die Genossenschafter am Standort an der St. Gallerstrasse in Matzingen auf und investieren rund 250000 Franken in einen neuen Solar-Carport.

Darin integriert sind gewöhnliche Ladestationen, wie sie bereits weit verbreitet sind. Nebenbei will die selbständige Landi Matzingen als Teil der Fenaco-Gruppe aber auch eine Kombination mit zusätzlicher Schnellladestation mit einer Leistung von 150 Kilowatt bauen. «Mir ist in der Schweiz bisher nichts Vergleichbares bekannt», sagt Kaj Mazenauer von der Landi Matzingen. Visionär stellt er sich vor, dass die Kunden am Carport ihre Autobatterien aufladen und sich währenddessen im Landi-Laden oder im Tankstellenshop verweilen. «Wir möchten die Energiewende aktiv herbeiführen», ergänzt Mazenauer.

Dass das Projekt konkretisiert wird, ist auch den zahlreichen Genossenschaftern der Landi Matzingen zu verdanken, die an einer ausserordentlichen Generalversammlung die solaren Pläne mit nur einer Gegenstimme klar gutgeheissen haben. «Unsere Landwirte denken absolut fortschrittlich und sind aufgeschlossen», sagt Genossenschaftspräsident Peter Haas. Es habe rege Diskussionen über den Solar-Carport gegeben, «am Ende war sich aber die Mehrheit sicher, dass die Nachfrage für Elektro-autos die Zukunft ist».

Batteriespeicher fängt Überproduktion auf

Seit kurzem liegt von der Gemeinde die definitive Baubewilligung vor. Rund ein Dutzend Parkplätze sollen bis Ostern mit dem Solar-Carport überdacht werden. Darauf wollen die Land-Genossen drei neue Photovoltaikanlagen mit der Gesamtleistung von 0,5 Megawatt installieren. «Mit der E-Tankstelle und der solaren Produktion können wir unser Image als nachhaltiges Unternehmen steigern», ist er sich sicher. Nebst den gewöhnlichen Ladestationen mit einer Leistung von 22 Kilowatt werden zwei neue Schnellladestationen mit einer Leistung von 150 Kilowatt zur Verfügung stehen. «Mit einem zusätzlichen Batteriespeicher kann ab August sogar eine allfällige Überproduktion aufgefangen und für andere Geschäftsbereiche genutzt werden», sagt Kaj Mazenauer.

Vom Risiko einer Fehlinvestition wollen Mazenauer und Haas nichts wissen. «Wir glauben an die Energiewende und den steigenden Bedarf von E-Tankstellen für Elektroautos», sagt Mazenauer. Deshalb sei die Genossenschaft absolut im Zeitplan für eine nachhaltige Zukunft. «Und sollten die E-Tankstellen dereinst nicht genutzt werden, können wir mit den Photovoltaikanlagen knapp einen Viertel des gesamten Strombedarfs des Areals decken», sagt Mazenauer.

Ende Juni will die Genossenschaft die neue Anlage feierlich einweihen. Bis dahin gestaltet sie auch den Tankstellenshop um.