21.03.2019 / Klima- und Energiepolitik / /

Eröffnung Sonderausstellung Swiss Future Farm Erneuerbare Energien / Energieeffizienz / Elektromobilität in der Landwirtschaft

Mein Kurzreferat an der Eröffnung Sonderausstellung Swiss Future Farm Erneuerbare Energien / Energieeffizienz / Elektromobilität in der Landwirtschaft Wann, wenn nicht jetzt? Lasst uns gemeinsam die Dinge tun, die unabdingbar sind, um auch unserer nächsten Generation eine Chance zu geben!

Ich bedanke mich herzlich für die freundliche Einladung zur Ausstellungseröffnung. Ich freue mich sehr über diese Einladung, aus verschiedenen Gründen:

Der Hinterthurgau ist in den Energiethemen ganz vorn, das zeigte auch die Vergabe des IBK Nachhaltigkeitspreis im letzten Jahr, wo bekanntlich zwei von drei IBK Preisträgern aus dem Hinterthurgau stammten. Schön, dass nun diese Ausstellung mit diesen Themen hier im Hinterthurgau in Aadorf stattfindet.

Als IBK- Preisträger freue ich mich speziell über den Einbezug der IBK in diese Eröffnungsveranstaltung. Herzlichen Dank nochmals an die IBK Delegationen aus den verschiedenen Ländern und Kantonen für die grosse Ehre mit der Vergabe des international begehrten IBK- Nachhaltigkeitspreises.

Moderne Energiepolitik ist gleichzeitig Klimapolitik! Diese Themen prägen meine politische Arbeit seit meinem Eintritt in den Grossen Rat vor 15 Jahren, also lange vor den Klimaprotesten. Ich habe zu diesen Themen sehr viele Vorstösse im Parlament eingebracht und mit Unterstützung von Gleichgesinnten auch durchgebracht,  dazu habe ich von der einfachen Anfrage bis zur Volksinitiative den ganzen Reigen der politischen Werkzeuge in Anspruch genommen.

Wann, wenn nicht jetzt? Das ist meine Frage an euch. Ihr seid die Macher dieser Ausstellung. Mit innovativen Ideen zu den zentralen Themen Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Elektromobilität und mit einem speziellen Fokus zur Landwirtschaft habt ihr diese Ausstellung auf die Beine gestellt. Wann, wenn nicht jetzt sollten wir handeln? Wir alle sind uns wohl einig, es ist Zeit für Taten. Die weltweiten Schülerproteste, ausgelöst durch ein mutiges schwedisches Mädchen haben – und das ist aus meiner Sicht überaus erfreulich – die Klimaproblematik verstärkt in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Weltweit und auch in der Schweiz. Taten statt Worte! Die Klimaspezialisten warnen seit vielen Jahren eindringlich vor der sich immer schneller drehenden Temperaturspirale, ausgelöst in erster Linie durch die Freisetzung von CO2. Einige leugnen den doch so offensichtlichen Zusammenhang zwischen den in den letzten Jahren explosionsartig gestiegenen CO2 Emissionen und der Klimaerwärmung. Wer sich die Mühe nimmt und die Statistiken der absoluten Mengen an ausgestossenem CO2, der CO2 Konzentration in der Atmosphäre und der durchschnittlichen Erderwärmung übereinanderlegt, der erhält ein klares Bild! Der Schlüssel zum Erfolg sind die erneuerbaren Energien. Der Schalter muss ohne Wenn und Aber auf erneuerbar gestellt werden! Zum Glück gibt es auch die klimasensiblen Leute. Die Landwirtschaft ist direkt betroffen von der Klimaerwärmung! Auch bei uns im Thurgau, wie uns der Hitzesommer 2018 aufgezeigt hat. Wie bereits ausgeführt, ist Klimapolitik in erster Linie Energiepolitik. Eine erfolgreiche Energiepolitik kann nur gelingen, wenn sie in der Bevölkerung auf fruchtbaren Boden stösst. Konkret muss die Bevölkerung handeln, sie muss konkrete Projekte umsetzen. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten! Aber wir müssen es tun! Schön, dass hier Möglichkeiten zum Handeln aufgezeigt werden!

Damit komme ich zum letzten Punkt. Was kann die Landwirtschaft tun? Wie können wir im ureigensten Interesse Projekte auf unseren Betrieben umsetzen? Klar, dass ich am Beispiel unseres Betriebes den möglichen Umfang aufzeigen will. Wichtig zu sagen, auch wir sind noch nicht am Ende unserer Möglichkeiten, auch wir planen weitere Projekt. Aber was haben wir in den letzten Jahren erreicht? Wir haben zahlreiche Effizienzmassnahmen umgesetzt, zusätzlich haben wir vier Solarstrom-, eine Solarthermie- und eine Biogasanlage für unsere vorwiegend hofeigenen Hofdünger realisiert. Die neue Kleinbiogasanlage mit 50 KW elektrisch haben wir mit einem vergleichsweise sehr grossen Wärmespeicher von 27`000 l ausgestattet. Der grosse Speicher und der in der Schweiz wohl einzigartige Gülle/Gülle Spiralwärmetauscher und die moderne Steuerungstechnologie erlauben neben der Stromproduktion auch eine umfassende externe Wärmenutzung. Das reicht für die Heizung unseres Bauernhauses mit zwei Wohnungen und für die Heizung des Aufenthaltsraumes im Gemeinschaftsstall, für das Warmwasser in Haus und Stall, für die Tränkeautomaten und für Heubelüftung und Werkstatt. Die Stromproduktion aus PV und Biogas betrug im Jahr 2018 ca. achtmal mehr als unser Eigenbedarf. Man könnte also auch von einem Plusenergiebauernhof reden.

Biogasanlagen sind übrigens kleine Wunderwerke. Das Restprodukt aus der Vergärung, die Gärgülle ist pflanzenverträglicher, besser wirksam und geruchsarm. Und zu guter Letzt kann mit der Vergärung und mit der Nutzung des Biogases der Methanausstoss gewaltig reduziert werden. Eine Studie der ETH spricht von max. 97%. Das ist denn auch entscheidend, denn Methan ist gemäss Studien 20 bis 25 Mal klimaschädlicher als CO2. Warum nutzen wir nicht vermehrt die Vorteile der Biogasproduktion?  Das Ausbaupotenzial der landw. Biogasanlagen ist enorm, werden doch heute hierzulande lediglich rund 4% bis 5% des Hofdüngers energetisch genutzt. In Deutschland werden immerhin bereits 15% des gesamten Hofdüngers energetisch genutzt, also viermal mehr als in der Schweiz. Die Landwirtschaft ist der grösste Emittent bezüglich Methan und Lachgas und die Landwirtschaft in der Schweiz wird auch Reduktionsziele erfüllen müssen. Das BLW spricht von 850‘000t. Würden in der Schweiz 40% des Hofdüngers energetisch genutzt (Strom-, Wärmeproduktion oder Gaseinspeisung), könnte fast die gesamte von uns geforderte Reduktionsleistung so erbracht werden, nämlich rund 750‘000 to. Es braucht Taten statt Worte, nutzen wir dieses Potenzial. Eine weitere vielversprechende Option ist die Einspeisung von Methan ins Gasnetz oder deren Verwendung als Brenn- oder Treibstoff. Die Chancen für die Landwirtschaft im Rahmen der Zielsetzung der Schweizer Gasbranche 30% des Wärmmarktes mit Biogas zu decken stehen gut, denn das grösste ungenutzte Potenzial liegt im Hofdünger. Zudem hat die Genossenschaft FahrBiogas zusammen mit Ökostrom Schweiz ein Projekt zum Thema „Biogastankstellen in der Landwirtschaft“ bearbeitet und kürzlich abgeschlossen. Die Erkenntnisse:

  • Kleine Biogasaufbereitungs- und Tankstellenanlagen sind technisch ausgereift.
  • Biogastankstellen auf landwirtschaftlichen Biogasanlagen können eine wirtschaftliche Alternative zur Verstromung sein – wenn es Tankkunden hat, sprich die Gasmobilität sich entwickelt.
  • Um das Potenzial von Biogas zukünftig besser zu nutzen, braucht es entsprechende Rahmenbedingungen
    1. eine griffige CO2-Gesetzgebung mit einem signifikanten Inlandanteil;
    2. eine KEV-Nachfolgelösung für Biogas ab 2023;
    3. Produktionsalternativen neben der herkömmlichen Stromproduktion.

Wann, wenn nicht jetzt? Lasst uns gemeinsam die Dinge tun, die unabdingbar sind, um auch unserer nächsten Generation eine Chance zu geben!

Vielen Dank für euren grossen Einsatz und viel Erfolg mit der Ausstellung!