17.12.2015 / Klima- und Energiepolitik / /

Stromnetz auf dem Land verstärken

Josef Gemperle, CVP-Vorkämpfer für die Energiewende, forderte schon 2011 einen Grundlagenbericht zur Frage, ob die Stromnetze den Ausbau verkraften. Grundsätzlich ja, lautet das Fazit des Berichts, den der Regierungsrat im Oktober 2014 vorlegte. Der Grosse Rat hat ihn gestern Mittwoch wohlwollend zur Kenntnis genommen.

 

WEINFELDEN. Bis 2050 will der Kanton Thurgau 29 Prozent seines Strombedarfs aus eigenen erneuerbaren Energiequellen decken. Derzeit sind es nur 4 Prozent. Die Stromnetze müssen sich von zentralen auf dezentrale Kraftwerke umstellen und auf den Energiefluss in zwei Richtungen. Josef Gemperle, CVP-Vorkämpfer für die Energiewende, forderte schon 2011 einen Grundlagenbericht zur Frage, ob die Stromnetze den Ausbau verkraften. Grundsätzlich ja, lautet das Fazit des Berichts, den der Regierungsrat im Oktober 2014 vorlegte. Der Grosse Rat hat ihn gestern Mittwoch wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Photovoltaik: Grösstes Potenzial

Die öffentlichen Verteilnetze können mit einfachen Massnahmen 15 bis 20 Prozent der neuen erneuerbaren Energieanlagen aufnehmen, hält der Bericht fest. In städtischen Agglomerationen sind es bis zu 30 Prozent. In ländlichen Gebieten, wo viele für die Photovoltaik geeignete Dächer liegen, gibt es jedoch Schwierigkeiten mit Schwach- und Spitzenlasten. Zudem liegt in der Photovoltaik das weitaus grösste Potenzial unter den neuen erneuerbaren Energien im Thurgau. Um die Netze zu verstärken, müssen die Elektrizitätsversorgungsunternehmen (EVU) bis 2050 rund 200 Millionen Franken investieren.

Bis 2017 Netze analysieren

Für kleinere EVU sei das eine schwer zu bewältigende Aufgabe, sagte Andreas Zuber (SVP), und Beat Pretali (FDP) stellte fest: «Die Energiewende ist technisch machbar.» Pretali erhob mehrere Einwände. So fand er es ungerecht, dass nur die Energiebezüger die Netzkosten tragen. Für Kurt Egger (GP) war es hingegen «klar, dass das Netz von jenen bezahlt wird, die Energie nutzen». Es gehe doch nur um 0,6 Rappen pro Kilowattstunde. Die Produzenten müssten entlastet werden, damit sie auch einen Anreiz hätten, eine Anlage zu bauen. Regierungsrat Kaspar Schläpfer (FDP) fand, die Kosten für die Verbraucher seien gering. Auch Swissgrid und die Anlagenbauern würden einen Teil übernehmen.

Der Thurgauer Regierungsrat verlangt von den EVU, bis im Jahr 2017 ihre Netze zu analysieren und einen Zeitplan zur Einführung von Smart Metering zu erarbeiten. Bis 2018 sollen sie ein Konzept für die allfällige Verstärkung ihrer Netze vorlegen. (wu)