28.01.2017 / Kulturlandschutz / /

Kulturlandschutz: Richtig bleibt richtig

LEITARTIKEL ZUR KANTONALEN ABSTIMMUNG VOM 12. FEBRUAR

Kulturlandschutz: Richtig bleibt richtig

Christian Kamm

Eines der Pfunde, mit denen der Kanton Thurgau wuchern kann, ist seine Landschaft. Zwar fehlen Erhebungen, die den Namen Berg wirklich verdienen. Dafür punktet der Thurgau mit seinen Seen, dem grossen und den kleinen, mit sanftem Hügelland und weiten Flusslandschaften. Diese sind im Gegensatz zum ansonsten vollgestopften Mittelland von den Folgen eines übertriebenen Siedlungsdrucks bis heute relativ verschont geblieben. Im Thurgau gibt es Luft zum Atmen, Platz und Erholungsraum, um sich ausgiebig die Beine zu vertreten – ohne gleich jemandem auf die Füsse zu treten. Hier lässt es sich ausgezeichnet leben.

Die Thurgauer selber wissen das natürlich. Und sie wissen es auch zu schätzen. Je länger je mehr aber haben es auch andere gemerkt. «Go east», vor allem aus dem überteuerten Millionen-Zürich, beschert deshalb dem beschaulichen Wohnkanton mit Seeanstoss bereits seit Jahren ein weit überdurchschnittliches Bevölkerungswachstum. Der Thurgau ist schon aus diesem Grund gut beraten, die raumplanerischen Weichen so zu stellen, dass auch künftige Generationen noch in den Genuss einer weitgehend intakten Landschaft kommen können.

Am kommenden 12. Februar besteht die Gelegenheit dazu. In der Abstimmung über den Gegenvorschlag des Grossen Rates zur Volksinitiative «Ja zu einer intakten Thurgauer Kulturlandschaft» können die Stimmbürger ein Zeichen für eben diese Landschaft setzen. Nicht nur die Erhaltung des Kulturlandes soll in die Kantonsverfassung geschrieben werden. Auch bekommt das Postulat einer qualitativ hochwertigen Siedlungsentwicklung Verfassungsrang. Wirtschaftliches Wachstum und Bautätigkeit sollen selbstverständlich weiter möglich bleiben. Aber es muss eben auch alles dafür getan werden, dass in Siedlungsgebieten nach innen verdichtet, mit dem Boden möglichst haushälterisch umgegangen wird.

Die Thurgauer Kulturlandschaft schützen zweifellos ein Thema, das in der Bevölkerung per se hohe Popularität geniesst. Dennoch hat der Grosse Rat genau hingeschaut, bevor er dem Gegenvorschlag zur Initiative mit 110 gegen 10 Stimmen seinen Segen gegeben hat. So wurde mit der Streichung der Vorgabe, dass das Nichtsiedlungsgebiet auch zu schützen und nicht nur zu erhalten sei, den Interessen der Landwirtschaft genüge getan. Vor diesem Hintergrund kann kaum erstaunen, dass nun auch der Thurgauer Bauernverband hinter der Vorlage steht.

Schon eher erstaunlich, dass die landwirtschaftsnahe SVP die Nein-Parole herausgegeben hat. Einen eigentlichen Abstimmungskampf hat aber auch sie nicht geführt. Ebenso wenig die FDP, die Stimmfreigabe beschloss. Das hat damit zu tun, dass die Verfassungsänderung weniger aus inhaltlichen, denn aus formalistischen Gründen kritisiert wird. Sie sei schlicht «unnötig», weil ihre Grundsätze bereits in der Bundesverfassung und im Bundesrecht verankert seien. Das kann man so sehen – wenn einem das Anliegen offenkundig nicht so am Herzen liegt. Angesichts der Bedeutung des Landschaftsschutzes für die Zukunft dieses Kantons spricht aber alles dafür, in den Chor der Befürworter einzustimmen, der da lautet: «Doppelt gnait hebet besser.» Oder anders gesagt: Zweimal das Richtige zu tun, macht aus etwas Richtigem noch lange nichts Falsches.