05.05.2017 / Kulturlandschutz / /

Wiler Zeitung zum geforderten Konzept

Kurze Wege auch für den Abfall

ANTRAG ⋅ Der Hinterthurgauer Kantonsrat Josef Gemperle fordert ein Konzept für möglichst kurze Transportwege der Bauabfälle. Mehr als die Hälfte der Grossräte unterstützt dies.
05. Mai 2017, 05:19

Ganze 1,7 Millionen Tonnen unverschmutzter Aushub fallen im Thurgau gemäss Abfallbericht jedes Jahr an. Für den CVP-Politiker Josef Gemperle haben die Ausmasse der Massentransporte «groteske Züge» angenommen. Er erklärt: «Obwohl die Region Fischingen im Richtplan als Gebiet für mögliche Deponiestandorte für sauberen Aushub bezeichnet ist, werden 22 000 Kubik­meter schöner Aushub von einer Baustelle in Dussnang nach Weinach im Kanton Zürich und nach Schaffhausen gekarrt.» Mehrere tausend Lastwagenfahrten über lange Distanzen würden «völlig unnötig provoziert und durchgeführt». «Allein die Effizienz wird durch die weiten Distanzen um mindestens den Faktor zehn vermindert, die nega­tiven Umwelteinwirkungen um den gleichen Faktor erhöht», ergänzt Gemperle.

Der CVP-Grossrat nennt als zweites Beispiel eine Firma aus Oberwangen. «Dieses mittelständige Unternehmen mit rund 30 Mitarbeitern fährt aktuell mit rund 24 000 Kubikmetern pro Jahr noch Hüntwangen oder Marthalen. Das sind rund 2400 Lastwagen-Fahrten à 100 Kilometer pro Jahr oder rund elf Fahrten pro Tag auf der A1 in Richtung Winterthur.» Gesamthaft würden dabei nicht weniger als 100 000 Liter Diesel verbraucht. Eine Halbierung der Kilometer würde für Gemperle neben dem ökolo­gischen Nutzen auch die Kosten für Treibstoff, die LSVA und den Fahrzeugunterhalt massiv reduzieren.

Bautrends sorgen für immer mehr Bauabfälle

Auch wegen dieser beiden Beispiele hat der Hinterthurgauer Politiker einen Antrag eingereicht. In diesem wird die Thurgauer Regierung aufgefordert, dem Grossen Rat einen Bericht vorzulegen, damit die Transportwege für sauberen Bauaushub möglichst kurz werden. Sekundär soll dieser Bericht auch auf weitere Bauabfälle ausgedehnt werden. «Seit Jahren berichten Praktiker, dass Bauabfälle vielfach über grosse und grössere Distanzen abgeführt werden. Der Trend zu höheren Bauten und unter­irdischen Parkplätzen verstärkt diese Tendenz», sagt Gemperle. Dies lasse die Volumenströme der Bauabfälle in Zukunft noch deutlich steigen.

Für den Fischinger Meisterlandwirt ist klar: Es braucht ein Konzept unter Einbezug der verschiedenen, aus seiner Sicht zum Teil sich widersprechenden Ämter, um unnötige Transportkilometer zu vermeiden. «Von der Region für die Region ist ein Grundsatz, der insbesondere beim unverschmutzt Aushub angewendet werden sollte», sagt Gemperle. Und er ist damit nicht allein: Über die Hälfte aller Thurgauer Kantonsräte haben den ­Antrag unterschrieben – nämlich 69 von 130.

Simon Dudle

http://www.thurgauerzeitung.ch/ostschweiz/stgallen/wil/Kurze-Wege-auch-fuer-den-Abfall;art266,4974198