11.06.2016 / Thurgau / /

Familie Zürcher im Thurgau, eine großangelegte und „erfolgreiche“ Plakataktion des Kantons Thurgau

VOM IMAGEAUFTRITT ZUR MUTIGEN MARKTBEARBEITUNG SCHÖNER WOHNEN IM THURGAU! Nach der Fortführung der Imagekampagne im letzten Jahr unter dem Leitsatz «Ich lebe im Thurgau» setzte die Projektgruppe «Thurgau Switzerland» in diesem Jahr einen vielbeachteten Schwerpunkt mit dem Thema «Wohnen». Insbesondere jungen Zürcher Familien, welche unter einem ausgetrockneten Immobilienmarkt leiden, sollte der Umzug in den Thurgau schmackhaft gemacht werden, so die Verantwortlichen der Plakataktion im Kanton Zürich!

Am 12. Mai 2016 hat das Bundesamt für Statistik die neuen Bevölkerungsszenarien für die Kantone veröffentlicht. Demnach wächst die Bevölkerung zwischen 2015 und 2045 in fast allen Kantonen. Am stärksten ist der Bevölkerungszuwachs in den Kantonen Freiburg, Waadt, Thurgau und Aargau. Aufschlussreich ist auch ein Blick auf die neusten Zahlen des interkantonalen Wanderungssaldos (Differenz Zu- bzw. Wegzug): 2011 bis 2014 gehörte der Kanton Thurgau zu den drei Kantonen mit dem höchsten positiven Saldo. Die umliegenden Kantone St. Gallen, beide Appenzell und insbesondere Zürich weisen negative bis stark negative Werte aus. Auch für die Periode von 2015 bis 2030 gehört der Kanton Thurgau gemäss den neusten Prognosen zu den drei Spitzenkantonen mit dem höchsten Wachstum. Für diese Entwicklung gibt es wohl viele verschiedene Gründe. Hauptgrund für diese nicht nur erfreuliche Entwicklung dürften die auf Grund des hohen Angebotes relativ moderaten Preise für Bauland sein. Leider gibt es zu diesen positiven Nachrichten eine sehr negative Gegenentwicklung. Der neu geschaffene Wohnraum für die wachsende Bevölkerung wurde vor allem auf der grünen Wiese realisiert. Wohl mitverursacht durch die Plakataktion des Kantons Thurgau von 2003 im benachbarten Kanton Zürich (siehe Bild). Auch dazu die Zahlen: 2004 bis 2013 haben die Landwirtschaftsflächen im Thurgau jährlich um 175 ha, 2014 gar um 290 ha abgenommen. Was bedeuten diese Zahlen? Rechnen wir den Verlust von 2014 auf die nächsten 10 Jahre hoch, so beträgt dieser Verlust von 3000 ha Kulturland gleichviel wie die gesamte Fläche der Gemeinde Fischingen (flächengrösste Gemeinde im Thurgau).

 

Die Kommissionsarbeit zu den Thurgauer Kulturlandinitiativen ist abgeschlossen, der Kommissionsbericht damit öffentlich. Die Kommission beschliesst zu beiden Initiativen einen Gegenvorschlag. Bei der Verfassungsinitiative wird in Absatz 2 auf den Passus „und den Schutz“ verzichtet, man erfüllt damit eine Forderung von Landwirtschaftsvertretern. Neu heisst es dort noch: „Sie sorgen für die Erhaltung des Nichtsiedlungsgebietes“. Auch beim Gegenvorschlag zu den Gesetzesinitiativen wird das Hauptanliegen der Initiativen, der Schutz des Kulturlandes, aufgenommen. Aber auch den Bedenken der Gegner wurde gebührend Rechnung getragen. Auf Grund dieser hoffnungsvollen Ausgangslage hat das Initiativkomitee folgendes beschlossen: „Sofern der Grosse Rat sowohl die Verfassungs- als auch die Gesetzesinitiative als gültig erklärt und ein aus Sicht der Initianten akzeptabler Gegenvorschlag durch den Grossen Rat genehmigt wird, ziehen die Initianten die Verfassungs- und die Gesetzesinitiative zurück. Der Gegenvorschlag der Kommission erfüllt diese Voraussetzungen.“ Es ist wichtig, dass mit diesem einstimmigen Beschluss klare Voraussetzungen geschaffen wurden, um dem Gegenvorschlag eine gute Ausgangslage in der Ratsdiskussion zu ermöglichen. Allerdings wurde gleichzeitig beschlossen, dass bei einer Ungültigkeitserklärung durch das Parlament (dann ist das Geschäft von der politischen Traktandenliste) das Bundesgericht angerufen wird.

 

Auf Grund der neuen Ausgangslage sind wir zuversichtlich, dass mit Unterstützung aller bäuerlichen Vertreter im Grossen Rat die Gegenvorschläge im Grossen Rat eine gute Mehrheit finden. Damit wären die Voraussetzungen geschaffen, dass das zukünftige Wachstum vor allem in den umfangreich bestehenden Bauzonen, durch eine aktive Siedlungserneuerung und auch durch eine massvolle Verdichtung in den bestehenden Baugebieten realisiert wird. Die neusten Zahlen beweisen, dass es zu dieser Strategie keine wirklichen Alternativen gibt.

 

Plakataktion der Kantons Thurgau im benachbarten Kanton Zürich aus dem Jahr 2003: Diese Kampagne hat sein Ziel offensichtlich erreicht!