09.02.2016 / Verkehrspolitik / /

Schützen wir unsere Investitionen am Gotthard

Der schweiz. Gewerbeverband steckt viel Geld in die Pro-Kampagne. Wenn ich aber mit Führungskräften aus dem KMU- Bereich spreche, steht im Sorgenbarometer der tägliche Stau im Grossraum Zürich an vorderster Stelle. Unglaublich, wie viel Zeit die Mitarbeiter vieler KMU`s im täglichen Stau verlieren.

Schützen wir unsere Investitionen am Gotthard!

Alt Bundesrat Ogi hat erst kürzlich in Amriswil in einem überzeugenden Referat aufgezeigt, wie schwierig es war, die NEAT aufzugleisen. Die verantwortlichen Minister der EU haben die NEAT als Mittel für den alpenquerenden Schwerverkehr erst akzeptiert, als Ogi die Minister vor Ort durch die Bergtäler führte. Noch ist das Herzstück der NEAT – der Gotthard-Basistunnel mit 57 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt – nicht im Betrieb. Der neue Tunnel symbolisiert die Innovationskraft und Zuverlässigkeit der Schweiz. Bei seiner Eröffnung in rund 100 Tagen wird die Welt ihre Augen auf unser Land und den Tunnel richten. Das Schweizer Volk hat insgesamt 24 Milliarden in neue Eisenbahn-Alpentunnels investiert!

Wollen wir wirklich mit einer zweiten Röhre am Gotthard alle diese Investitionen gefährden? Wollen wir in Zukunft mit doppelt so vielen Spuren doppelt so viel Verkehr? Dies ist absehbar, wenn wir nun wider jede Vernunft den Gotthard Strassentunnel auf vier Spuren ausbauen und dabei erst noch auf Transitgebühren verzichten. Der Brennerpass zwischen Österreich und Italien ist heute die mit Abstand am stärksten belastete Strassenachse der Alpen. Die Brennerautobahn ist komplett vierspurig ausgebaut. Die Konsequenz: Der Brenner hat doppelt so viel Strassengüterverkehr wie alle Schweizer Übergänge zusammen – 2013 haben über 1,9 Millionen Lastwagen den Brenner überquert. Der Transitanteil beträgt 91,3%. Wollen wir mit einer 2. Röhre den Gotthard zur kürzesten vierspurigen Strassenverbindung zwischen Nord- und Südeuropa machen?

Der schweiz. Gewerbeverband steckt viel Geld in die Pro-Kampagne. Wenn ich aber mit Führungskräften aus dem KMU- Bereich spreche, steht im Sorgenbarometer der tägliche Stau im Grossraum Zürich an vorderster Stelle. Unglaublich, wie viel Zeit die Mitarbeiter vieler KMU`s im täglichen Stau verlieren. Stau am Gotthard hingegen gibt es nur wegen den Durchreisetouristen am Rande der Ferien. Mit dem Bau der zweiten Gotthardröhre werden aber genau die Projekte in den städtischen Agglomerationen noch länger auf die Realisierung warten müssen! Das müsste nicht sein. Nein zur 2. Röhre!

 

 

Josef Gemperle, Kantonsrat Fischingen